August
Ernting

Autorengeburtstage XXGartentipps
Texte zum August XXBauernregeln








Autorengeburtstage:
Herman Melville (1.8.1819) Ernst Jandl (1.8.1925)
Mahmoud Doulatabadi (1.8.1940) Isabel Allende (2.8.1942)
Magdalena Sadlon (2.8.1956) Percy Bysshe Shelley (4.8.1792)
Knut Hamsun (4.8.1859) Jáchym Topol (4.8.1962)
Guy de Maupassant (5.8.1850) Joachim Ringelnatz (7.8.1883)
Jostein Gaarder (8.8.1952) Robert van Gulik (9.8.1910)
Alfred Döblin (10.8.1878) Hans-Ulrich Treichel (12.8.1952)
Nikolaus Lenau (13.8.1802) Matthias Claudius (15.8.1740)
Inês Pedrosa (15.8.1962) Charles Bukowski (16.8.1920)
V. S. Naipaul (17.8.1932) Klaus Ferentschik (19.8.1957)
Ephraim Kishon (23.8.1924) Ilija Trojanow (23.8.1965)
Jorge Luis Borges (24.8.1899) Paulo Coelho (24.8.1947)
Johann Gottfried Herder (25.8.1744) Maxim Biller (25.8.1960)
Guillaume Apollinaire (26.8.1880) Peter Henisch (27.8.1943)
Johann Wolfgang Goethe (28.8.1749) Leo N. Tolstoj (28.8.1828)
Robert Merle (29.8.1908) Mary Shelley (30.8.1797)
Wolfgang Hilbig (31.8.1941)  

Kalter Augusttag
(Aus "Adjutantenritte und andere Gedichte", 1883)

I

Wir standen unter alten Riesenulmen,
An unsers Gartens Rand. Mein Arm umschlang
Die schlanke Hüfte dir. Es lag dein Haupt,
Das schöne, blasse, still an meiner Schulter.
Ein kalter Hauch drang uns entgegen; fröstelnd
Zogst fester du das Tuch um deinen Hals.
In grauer Luft, unübersehbar, lag
Der Wiesen grünes Flachland ausgebreitet.
Wie deutlich hörten wir den Jungen schelten
Auf seine Kühe, deutlich hör ich noch
Dein fröhlich Lachen, als uns die gesunden,
Vom Winde hergetragnen Worte trafen.
Und eine Öde, nordisch unbehaglich,
Durchfror die Landschaft. Krähen stolperten,
Laut krächzend, übern Garten. Schläfrig zog
Am Horizont die Mühle ihre Kreise.
Und doch! Es lag auf Wegen fern und nah
Der Sonnenschein, der Sonnenschein des Glücks.
Und langsam kehrten wir zurück ins Haus.  

II

Und wieder stand ich unter unsern Ulmen,
Doch nicht mit dir. Allein sah ich hinaus
In lichten Frühlingstag: Der Junge pfiff
Ein lustig Liedchen seinen Kühen; glänzend
Im Licht umkreisten Krähen hohe Bäume,
In blauer Luft schaut' ich am Horizont
Die Mühle schnell im Wind die Flügel drehn.
Und doch, ich sah nur graue Todesnebel,
Und teilnahmlos kehrt' ich zurück ins Haus.

(von Detlev von Liliencron)


August
(Inserat)

Die verehrlichen Jungen, welche heuer
Meine Äpfel und Birnen zu stehlen gedenken,
Ersuche ich höflichst, bei diesem Vergnügen
Womöglich insoweit sich zu beschränken,
Daß sie daneben auf den Beeten
Mir die Wurzeln und Erbsen nicht zertreten.

(von Theodor Storm)



Ich bin Valfierno.

Sagen wir, ich bin Valfierno. Oder, besser gesagt, ich war Valfierno. Und als Valfierno habe ich etwas Außergewöhnliches geschaffen: die Geschichte eines Lebens.

Warum der Name Valfierno?
Wir haben vereinbart, dass Ihre Fragen sich auf die Tatsachen beschränken, nicht wahr?
Ja, das stimmt. Und ist das keine Tatsache?
Also, kommen Sie, Verehrtester.

Am Dienstag, dem 23. August 1911, fanden die Abendzeitungen von Paris reißenden Absatz. An allen Straßenecken verkündeten die Zeitungsjungen lauthals, dass das berühmteste Gemälde der Welt gestohlen worden sei.
"Die Gioconda! Lesen Sie selbst! Die Gioconda ist verschwunden!"
"Die Gioconda, Messieurs, Mesdames! Die Gioconda ist weg!"

Es herrschte eine Affenhitze. Seit Wochen herrschte eine Affenhitze, und alle, die nicht von ihr profitierten, fühlten sich miserabel: das unvermeidliche Thema, bei jeder Begegnung, in jedem Café, jedem stuckverzierten Salon, jeder Kirche, jedem Luxusbordell. Die schwüle Hitze bewirkte, dass Paris aufhörte, Paris zu sein. Und dies - dass Paris nicht mehr Paris war - ließ sie sich ganz besonders elend fühlen, betrogen; und sie redeten. Männer und Frauen redeten über die Hitze, und nachdem sie über die Hitze geredet hatten, gingen sie zu anderen Themen über, die sie nicht interessierten, und dann wischten sie sich unvermittelt den Schweiß von der Stirn und kehrten zur Hitze zurück, und jemand sagte, die Welt sei nicht mehr das, was sie einmal gewesen sei, und ein anderer kündigte großspurig an, er werde sich einen Ventilator kaufen, wenn das so weitergehe.
"Der Fortschritt, mein Lieber! Wenn die Sozialisten nicht wären und diese fürchterliche Hitze ..."
Seit Wochen ließ die erstickende Hitze jedes Gespräch verdorren. Bis ganz plötzlich, an jenem Abend, Leben in die Welt kam:
"Man hat sie gestohlen! Man hat Frankreich lächerlich gemacht! Extrablatt! Extrablatt!" (...)

(Aus "Valfierno" von Martín Caparrós)

Mit seinem Leben als Sohn einer einfachen Hausangestellten in Argentinien will sich Juan María Perrone nicht zufrieden geben. Als er einen französischen Gemäldekopisten kennen lernt, kommt ihm die Idee, sich völlig neu zu erfinden. In der Gestalt des Marquis de Valfierno mischt er sich unter die feine Gesellschaft der Belle Époque und verkauft Kopien des begabten Fälschers als Originale, um schließlich seinen spektakulärsten Coup zu planen: Leonardo da Vincis Mona Lisa aus dem Louvre zu stehlen ... (Eichborn)
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(...) Etwa zwei Kilometer vor dem Flecken Pergusa läßt mich der Fahrer hinaus. Rechts führt eine Abfahrt vor ein kastenförmiges Hausgebilde: links, die Eingangswölbung mit Ziergips geschwollen, eine Diskothek, rechts das Hotel. Na, denke ich, das kann ja nachts heiter werden. Draußen auf dem Schild: Zutritt für Herren nur in Damenbegleitung. Ich wende mich der offenstehenden Hoteltür zu, ein loser Vorhang aus Plastikperlen soll Insekten wehren, trete ein, will sofort wieder weg. Denn an einem der Tische sitzt der Telefonierer. Starr bleibe ich stehen. Und dann von links ein kleiner, schmaler, einfacher und doch elegant wirkender Mann um die vierzig, Stirnglatze, zu beiden Seiten die gewellten schwarzen Haare sehr gepflegt. Kaum Luft bekomme ich noch. Sein in den Hemdausschnitt drapiertes Seidentuch. Als er mich sieht, beginnt seine Nase zu bluten. Es ist die Mumie aus Palermo. Signor Antonino Prestigiacomo. Gestorben den 4. Oktober 1844.
AM 16. AUGUST 1994 AUFERSTANDEN IM FLEISCHE. Ich wortlos. Dieselbe rotbraune Gesichtshaut. Nur nicht so ledern. Derselbe klare und traurige Blick, er entschuldigt sich. Zieht ein Taschentuch aus der Hosentasche, betupft die Nase, entschuldigt sich nochmals. Ich starre ihn an. Das scheint ihn immer mehr zu verunsichern, und mehr noch blutet die Nase. Er reibt an ihr herum. Hinten telefoniert aufgeregt der Telefonierer. Eine resolute Signora erscheint, dauergewelltes, von dunklen Strähnen durchzogenes weißgraues Haar. Schnurrbart aus kurzen, dichten Borsten. Ihre Stummelfinger mit den abgebrochenen Nägeln wischt sie an ihrer Schürze ab. Sowie sie in den Raum getreten ist, beginnt es, nach Knoblauch, heißem Olivenöl und Stiefmutter Gottes zu riechen. Mit einer herben Kopfbewegung, doch wortlos, weist sie Prestigiacomo hinaus. "Sie sind doch der vom Belvedere? Tut mir leid, mein Sohn hat das schon als Kind gehabt. Immer wenn er sich aufregt." (...)

(Aus "Eine Sizilische Reise" von Alban Nikolai Herbst)


(...) Doch dieser Tag, der 27. August, war der Tag, an dem Anna Westin spurlos verschwand. Als Linda sich mit dem Dietrich Zutritt verschafft hatte und in Annas Wohnzimmer saß, versuchte sie sich Anna vorzustellen, ihre Stimme zu hören, wie sie von dem Mann erzählte, der vor einem Hotelfenster auf der Straße gestanden hatte und ihrem Vater glich. Es gibt Doppelgänger, dachte Linda. Es ist nicht nur eine Legende, dass jeder Mensch irgendwo auf der Welt seine Entsprechung hat, einen Menschen, der zur gleichen Zeit geboren ist und stirbt wie er. Doppelgänger sind eine Realität. Ich selbst habe einmal in der U-Bahn in Stockholm meine Mutter gesehen. Beinah wäre ich zu ihr gegangen. Sie hörte auf, meine Mutter zu sein, als sie eine finnische Zeitung aufschlug und zu lesen begann.
Was hatte Anna eigentlich erzählt? Von einem wiederauferstandenen Vater oder seinem Doppelgänger? Sie hatte darauf bestanden, dass es wirklich ihr Vater war. Aber Anna besteht immer auf allem, dachte Linda. Sie kann Dinge behaupten, die nicht wahr sind, sondern eingebildet oder erfunden. Aber sie würde sich nie verspäten oder vergessen, dass sie Besuch bekommen soll.
Linda ging in der Wohnung umher. Sie blieb beim Bücherregal in Annas Studierecke im Esszimmer stehen. Sie las die Buchrücken. Hauptsächlich Romane, die eine und andere Reiseschilderung. Aber kaum Fachliteratur. Linda runzelte die Stirn. Fast keine medizinischen Fachbücher. Sie ging zu den anderen Bücherregalen in der Wohnung. Was sie noch fand, war ein Nachschlagewerk über die gewöhnlichsten Volkskrankheiten. Hier war ein Bruch, dachte sie. Müsste Linda nicht massenweise medizinische Fachliteratur für ihr Studium haben?
Sie öffnete den Kühlschrank. Darin war das Übliche, nichts Unerwartetes. Die Zukunft war in Form einer ungeöffneten Milchpackung mit dem Haltbarkeitsdatum 2. September vertreten. Linda setzte sich wieder ins Wohnzimmer und versuchte, die Bruchstelle genauer zu betrachten. Wie konnte jemand, der Medizin studierte, ohne Fachliteratur auskommen? Hatte sie die Bücher an einem anderen Ort? Aber sie wohnte in Ystad und behauptete, den größten Teil ihrer Studien hier zu betreiben.
Linda wartete. Es wurde sieben. Sie rief zu Hause an.
Ihr Vater meldete sich mit vollem Mund. "Ich dachte, wir wollten heute zusammen essen?"
Linda zögerte, bevor sie antwortete. Sie wollte etwas von Anna sagen und wollte es gleichzeitig nicht. "Ich bin beschäftigt."
"Womit denn?"
"Mit meinem eigenen Leben."
Ihr Vater murmelte etwas Unverständliches.
"Ich habe heute Martinsson getroffen."
"Ich weiß."
"Was weißt du?"
"Er hat es erwähnt. Dass ihr euch getroffen habt. Mehr nicht. Du brauchst dir nicht über alles und jedes Gedanken zu machen."
Das Gespräch endete. Linda wartete weiter. (...)

(Aus dem Roman "Vor dem Frost" von Henning Mankell)


(...) Mein Entschluß war schnell gefaßt. Die Reise nach dem Hogar-Lande wurde aufgegeben, und dafür die Tour über Fesan fest in Aussicht genommen. Ich hoffte, dieses Land werde auch ohne Anschluß an eine Karawane sicher zu erreichen sein; und von da werde sich dann Gelegenheit zum weiteren Vordringen finden. Zuvor mußte ich aber nach Misda zurückgehen, um mir dort Kamele bis Mursuk zu mieten.
Nicht ohne Bedauern schied ich von Rhadames und seinen Bewohnern, die ich trotz ihrer zur Schau getragener Scheinheiligkeit liebgewonnen hatte. Sie hatten mir in meiner schweren Krankheit Teilnahme bezeigt und manchen Liebesdienst erwiesen, einige, wie der alte blinde Omar, der Mkadem der Sauya Mulei-Thaibs, waren mit mir näher befreundet. Meinerseits hatte ich die herrschenden Vorurteile soviel wie möglich respektiert, am Freitag regelmäßig die Djemma (Moschee) besucht und dem Ableiern des langweiligen Chotbah-Gebets beigewohnt, alles bar und teurer als die Tuareg bezahlt, so auch für das Haus, das ich bewohnte, einen verhältnismäßig hohen Mietzins entrichtet, endlich durch Schenkung eines Lefaucheux mit vierundzwanzig Schuß an Kassem-Pascha diesen zu meinem Freund gemacht – alles das hatte seine Wirkung nicht verfehlt, und man ließ mich merken, daß ich ein gern gesehener Gast war. Gegenseitiges Wohlwollen bekundete sich nun auch bei meiner Abreise. Eine große Zahl von Bekannten war aus der Stadt gekommen, mir ein letztes Lebewohl zu sagen, umschwärmt von der Rhadameser Jugend, die noch einmal meinen Mursuk, das Wundertier, bestaunen wollte. Viele Händedrücke, viele Ssalams, viele Rufe "Auf Wiedersehen" wurden ausgetauscht, als ich am 31. August nachmittags Rhadames verließ. (...)

(Aus "Quer durch Afrika. Die Erstdurchquerung der Sahara vom Mittelmeer zum Golf von Guinea 1865-1867" von Gerhard Rohlfs)
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Bauernregeln:

Nasser August macht nicht teure Kost.

Ist's von Petri (1. August) bis Lorenz heiß,
dann bleibt der Winter lange weiß.  
Regen an Mariä Schnee (5. August) tut dem Korn tüchtig weh.  
Ist der Lorenz (10. August) gut und fein,
wird es auch die Traube sein.  
Zu Laurentius (10. August) man pflügen muss.  
Wenn St. Rochus (16. August) trübe schaut,
kommen die Raupen in das Kraut.  
Um die Zeit von Augustin (28. August)
zieh'n die warmen Tage hin.  
August ohne Feuer macht das Brot teuer.  
Was die Hundstage gießen, muss der Winzer büßen.

Wer schläft im August, der schläft zu seinem eigenen Verlust.

August reift die Beere - September hat die Ehre.
(Italienisches Sprichwort)  

... und im Garten?

Aussaat im Freiland: z. B. Stiefmütterchen, Winterendivien, Chinakohl, Pflücksalate, Radieschen, Spinat, Petersil. Achtung: Petersil nicht zweimal an derselben Stelle aussäen, da er mit sich selbst unverträglich ist! Bereits abgeerntete Flächen mögen mit Bienenfreund oder auch Senfsaat als Gründüngung eingesät werden.
Auspflanzen: Knollen und Zwiebeln von Steppenkerzen, Kaiserkronen, Madonnenlilien und Herbstzeitlosen.
Tomatenpflanzen entgeizen. Die entfernten Triebe zu Füßen der Pflanzen liegen lassen, denn Tomaten gedeihen inmitten von eigenen "Resten" am besten.
Kräuter und Gewürze (z. B. Pfefferminze, Salbei, Thymian) spätvormittags ernten und an einem luftigen, schattigen Ort kopfüber zum Trocknen aufhängen. Aufbewahrt werden die kostbaren Vorräte am besten in fest verschlossenen Gläsern, die man an kühler, dunkler Stelle lagert.
Abgeerntete Himbeerruten knapp über dem Erdboden kappen. Brombeersträucher entgeizen.
Der August ist die ideale Zeit für die Neuanlage eines Erdbeerbeetes! Dazu wird die vorgesehene Stelle tüchtig mit Kompost und organischem Dünger (z.B. Horn-Blut-Knochenmehl) versorgt. Die Pflanzen schätzen untereinander Abstände von etwa 30 cm. Erdbeeren sind ursprünglich Waldbewohner. Daher bedeckt der gewitzte Gärtner die Erde mit Mulchmaterial (z. B. Laub oder Gehölzschnitt).
Weiters eignet sich die zweite Augusthälfte gut zur Pflanzung von immergrünen Nadelgehölzen sowie Rhododendren.
Balkon- und Kübelpflanzen brauchen bei großer Hitze ebensolche Wassermengen; Abgeblühtes soll regelmäßig abgezupft werden. Von z.B. Engelstrompeten, Oleandern, Fuchsien und Strauchmargeriten können zu Vermehrungszwecken Kopfstecklinge geschnitten und in sandige Erde gesetzt werden.  

Gartenbücher finden Sie hier ...


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