Am anderen Tag setzten wir unseren Marsch fort, nachdem ich noch zwei Einheimische mit Hundeschlitten dingte, die uns bis zur nächsten Siedlung begleiten sollten. Auch am 24. Dezember zogen wir weiter, und erst im Lager wollte ich über Weihnachten nachdenken.

In der Nähe des Sigonku-Felsens wohnten Udechesen. Von ihnen erfuhr ich, dass am Bikin jemand gesucht wurde und dass ein Polizeioffizier auf der Suche nach den Vermissten hier gewesen war, aber wegen des hohen Schnees wieder umkehren musste. Ich wusste damals noch nicht, dass dies mir galt. (...)

Abends bewirtete ich meine Begleiter mit Rum und Schokolade. Dann erzählte ich vom Leben im alten Rom, vom Kolosseum und von den bluttriefenden Gladiatorenkämpfen. Die Schützen hörten mir mit großer Aufmerksamkeit zu. Dann erklärte ich ihnen die Gestirne am Himmel. Am Tage, bei Sonnenschein, sehen wir nur unsere Erde, in der Nacht aber die ganze Welt. Funkelnder Lichtstaub scheint über das ganze Himmelsgewölbe verstreut, Ruhe strömt von den sanft blinkenden Sternen zur Erde hinab.

Bereits bei der Abreise aus Wladiwostok hatte ich Tannenbaumschmuck mitgenommen: vergoldete Nüsse, Kerzenhalter mit Kerzen, Goldhaar und Knallbonbons, bunte Lebkuchen und einige Geschenke: einen Silberbecher, Federmesser mit Perlmuttergriff, Bernsteinspitzen für Zigaretten und vieles andere mehr. All das hatte ich für den Feiertag aufbewahrt.

In der Nähe unseres Zeltes wuchs eine kleine Tanne, sie schmückten wir mit dem bunten Flitter und den Eiszapfen.

Am Tag veranstalteten wir Spiele auf dem Eis. In das Eis wurde ein Pflock gerammt, an den zwei Stricke gebunden wurden, und an jedem Ende wurde ein Mann am Gurt festgebunden. Beide hatten verbundene Augen, der eine hielt ein Glöckchen in der Hand, der andere eine Rute aus Birkenreisig. Der eine sollte nun klingeln und sich fortschleichen, während der andere dem Klang nachgehen und und den Glöckner mit der Rute bearbeiten sollte. Dieses Spiel gefiel allen. Die Einheimischen lachten bis zum Umfallen und wälzten sich so im Schnee, dass ich ernstlich für ihre Gesundheit fürchtete.

Als es dunkel wurde, ließ ich die Lichter an dem Tannenbaum anzünden und das bengalische Feuerwerk abbrennen. Der Abend war still und klar.

Bei der Verlosung der Geschenke gewann Dersu eine Tabakspfeife; das kam ihm gerade recht. Dann wurden Süßigkeiten verteilt. Die Lieder der Schützen hallten weit über den Fluss und klangen als Echo wider.

Gegen Mitternacht zogen sich die Schützen in ihre Zelte zurück und erzählten sich um Heu liegend allerlei Geschichten, scherzten und lachten. Allmählich verstummten sie, die Antworten kamen immer seltener. Bald verkündete einmütiges Schnarchen in sämtlichen Tonlagen, dass sie eingeschlafen waren.


(Aus "Der Taigajäger Dersu Usala" von Wladimir Arsenjew; 1872-1930)