Gartenmohn

Papaver somniferum (Papaveraceae) - Schlafmohn
Papaver rhoeas (Papaveraceae) - Klatschmohn (zweite Art)
Papaver hybridum (Papaveraceae) - Saatmohn (dritte Art)

Mekon - bei einigen Chamaisyke, bei anderen Oxytonon, bei den Römern Papaver, bei den Ägyptern Nanti - es gibt eine gebaute Art, Gartenmohn, dessen Same ins Brot gebacken wird zum Genuss in gesunden Tagen, mit Honig gebraucht man ihn statt Sesam. Er heißt Thylakitis und hat ein längliches Köpfchen und weißen Samen. Eine andere Art ist die wilde, welche auch ein längliches Köpfchen, aber schwarzen Samen hat; diese heißt auch Pithitis, von einigen wird sie auch Rhoias genannt, weil aus ihr der Milchsaft fließt. Eine dritte Art ist wilder und arzneilich wichtiger, auch größer als jene mit einem länglichen Köpfchen. Gemeinsam ist ihnen die kältende Kraft, deshalb bewirken die in Wasser gekochten Blätter und Köpfe als Bähmittel Schlaf; die Abkochung davon wird auch gegen Schlaflosigkeit getrunken. Fein gestoßen sind die Köpfchen mit Grütze gemischt als Kataplasma ein gutes Mittel bei Geschwülsten und Rose. Man muss sie aber noch grün stoßen und zu Pastillen formen, dann trocknen und sie so zum Gebrauch aufbewahren. Werden die Köpfchen für sich allein mit Wasser bis auf die Hälfte eingekocht, dann wieder mit Honig gekocht, bis die Flüssigkeit dicklich geworden ist, so geben sie ein Leckmittel, welches schmerzstillend wirkt bei Husten, Fluss (Erkältung) der Luftröhre und Magenaffektionen. Es wird aber noch wirksamer, wenn ihm Hypokistis- und Akaziensaft zugemischt wird. Der Same des schwarzen Mohns wird, fein gestoßen, mit Wein gegen Bauchfluss und Fluss der Frauen getrunken; bei den an Schlaflosigkeit Leidenden wird er mit Wasser als Umschlag auf die Stirn und die Schläfen gelegt. Der Saft selbst welcher noch mehr kältend, verdichtend und austrocknend ist, wirkt, wenig, etwa in der Größe einer Erbse genommen, schmerzstillend, schlafmachend und die Verdauung befördernd, hilft auch bei Husten und Magenaffektionen. Im Übermaß getrunken schadet er, indem er Lethargie bewirkt und tötet.

Er lindert aber auch Kopfschmerzen, wenn er mit Rosenöl aufgesprengt wird, Ohrenschmerzen aber, wenn er mit Mandelöl, Safran und Myrrhe eingetröpfelt wird. Bei Augenentzündungen hilft er mit dem gerösteten Weißen vom Ei und Safran, bei Rose und Wunden mit Essig, bei Podagra ferner mit Frauenmilch und Safran, als Stuhlzäpfchen eingelegt macht er Schlaf. Am besten ist der Saft, wenn er dicht ist und einen durchdringenden, betäubenden Geruch und bitteren Geschmack hat, in Wasser leicht zergeht, glatt, weiß, nicht rau und weder krümmlich ist, noch beim Coliren wie Wachs zusammenbackt, welcher, in die Sonne gesetzt, zerfließt und, an der Lampe angezündet, nicht mit dunstiger Flamme brennt, aber nach dem Auslöschen im Geruch seine Kraft behält. Sie verfälschen ihn aber, indem sie Glaukion, Gummi oder den Saft des wilden Lattichs zumischen. Der mit Glaukion versetzte hat beim Auflösen eine safrangelbe Farbe, der mit Lattichsaft hat einen schnell verschwindenden Geruch und ist rauer, der mit Gummi ist kraftlos und durchscheinend. Einige begehen sogar solchen Unverstand, dass sie ihm Fett zusetzen. Zu den Augenmitteln wird er aber in einem neuen irdenen Topfe geröstet, bis er weich und gelb erscheint. Erasistratos sagt allerdings, Diagoras verwerfe seinen Gebrauch bei Ohren- und Augenaffektionen, weil er Stumpfsichtigkeit und Betäubung bewirke. Andreas behauptet, dass, wenn er nicht versetzt (verfälscht) werde, diejenigen, welche ihn zum Einreiben gebrauchten, blind würden. Mnesidemos aber sagt, seine Anwendung solle sich als geeignetes Schlafmittel allein auf den Geruch beschränken, anders wirke er schädlich. Dies sind aber Erdichtungen, welche von der Erfahrung widerlegt sind, weil durch Tatsachen die Wirkung des Arzneimittels bestätigt ist. Es ist aber nicht unangebracht, die Art und Weise, wie man den Saft sammelt, zu beschreiben.

Einige nämlich zerstoßen, die Köpfe samt den Blättern und pressen sie in der Presse aus, reiben (den Saft) dann im Mörser und formen ihn zu Pastillen. Ein solcher heißt Mekonion, er ist schwächer als der (natürliche) Saft. Diejenigen welche den (natürlichen) Saft gewinnen wollen, müssen nach dem Abtrocknen des Taues das Sternchen mit einem Messer umziehen, so dass es nicht in das Innere eindringt und in gerader Richtung die Köpfchen an den Seiten oberflächlich einschneiden, dann die heraustretende Träne mit dem Finger in eine Muschel streichen und nach nicht langer Zeit wieder dazu gehen, denn er findet sich verdickt und auch am folgenden Tage wird er ebenso vorgefunden. Dann muss man ihn in einem alten Mörser kneten, in Pastillen formen und aufbewahren. Beim Einschneiden übrigens muss man sich zurückhalten, um den Saft nicht mit den Kleidern abzustreichen.


(von Dioskurides; Mitte des ersten Jahrhunderts n. Chr.)