Werner Bartens: "Körperglück"
Wie gute Gefühle gesund machen
Was uns anfällig und was
uns widerstandsfähig gegen Belastungen werden lässt
Dieses Buch des 1966 geborenen Dr. med. Werner Bartens, der Medizin,
Geschichte
und Germanistik studiert hat und als Wissenschaftsjournalist für die
"Süddeutsche Zeitung" tätig ist, nähert sich der Psychosomatik von den
alltäglichen Symptomen her. Locker, ohne Anmerkungen, aber dennoch immer
auf der Höhe der Zeit, beschreibt Werner Bartens, "wie gute Gefühle
gesund machen."
Besonders gefallen hat dem Rezensenten das Kapitel "Wie Kinder stark
werden." Dort entmystifiziert der Autor nicht nur die "Modekrankheit"
ADHS, indem er unter Anderem einen Familientherapeuten zitiert, der für
diesen Satz empörte Reaktionen "betroffener" Eltern erntete: "Viele
Kinder mit der Diagnose haben kein Aufmerksamkeitsdefizit. Ihre
Aufmerksamkeit ist nur nicht da, wo Eltern und Lehrer sie gerne
hätten."
Wie am Ende jedes Kapitels hat Bartens auch hierzu thesenartige
Merksätze aufgelistet, die an dieser Stelle in voller Länge zitiert
werden, weil sie so grundlegend und so wichtig für langfristige
Veränderungen sind. Denn mit dem Wohl unserer Kinder fängt alles an.
Sieben lange wirkende Tatsachen über früh geliebte Kinder:
1. Frühkindlicher Missbrauch, emotionale Verwahrlosung, extreme
Strenge und häufiger Familienstreit führen zu mehr Depressionen,
Angststörungen und anderen psychischen Leiden in späteren Jahren -
aber auch Diabetes, verkalkte Herzkranzgefäße, Übergewicht und
Bluthochdruck sind häufiger.
2. Wer in frühen Jahren verwöhnt und geliebt wird, ist bei späteren
Belastungen entspannter und stressresistenter als jene, die von ihren
Müttern weniger verhätschelt werden.
3. Je positiver die Reize und Einflüsse in früher Kindheit sind, desto
gesünder und widerstandsfähiger werden die Kinder - und bleiben es ihr
Leben lang.
4. Frühgeborene entwickeln sich besser, wachsen schneller und bekommen
weniger Hirnschäden, wenn sie Wärme und Zuwendung bekommen.
Berührungen sind in dieser Phase wichtiger als verbaler Zuspruch.
5. Wenn Kinder in Waisenhäusern vernachlässigt werden, leiden sie
später nicht nur häufiger an Kontaktängsten und Bindungsstörungen,
sondern auch öfter an Krankheiten.
6. Werden Kinder beschämt oder gar gedemütigt, werden sie eher
aggressiv und wütend. Gleichzeitig sind sie körperlich anfälliger.
7. Stress in der frühen Kindheit
schädigt dauerhaft das Immunsystem und schwächt damit die Abwehr gegen
feindliche Erreger.
Von dieser zuspitzenden zusammenfassenden Qualität sind alle
Schlussthesen sämtlicher Kapitel. Wer also zunächst wenig Zeit zum Lesen
dieses Buches erübrigen kann, mag sich anhand der auf grauen Seiten
abgedruckten Thesen einen ersten Überblick verschaffen und sich so zur
weiteren, gegebenenfalls auch kursorischen Lektüre einladen lassen.
(Winfried Stanzick; 02/2010)
Werner Bartens: "Körperglück. Wie gute
Gefühle gesund machen"
Droemer, 2010. 315 Seiten.
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"Betrügen lernen"
Bartens schreibt mit der ironischen Leichtigkeit eines geborenen
Erzählers und der profunden Menschenkenntnis eines Mediziners
Alex ist Verhaltensforscher und beschäftigt sich mit dem
Paarungsverhalten von
Primaten.
Seine Frau Clara ist Urologin und sieht berufsbedingt eindeutig zu
viele nackte Männer. Er hat noch viel Liebe zu geben und sucht
schüchtern ihre erogenen Zonen. Sie ist genervt von seinen
Verführungsversuchen und Vorschlägen zur gemeinschaftlichen
Beischlafplanung.
Irgendwie lieben sie sich nach langen Ehejahren noch immer.
Als seine roten Markierungen im Kalender immer spärlicher werden,
entschließt er sich probeweise und um sich selbst zu beweisen, dass
er es noch kann, seine Frau zu betrügen. Kongresse und
Vortragsreisen scheinen genug Gelegenheit dazu zu bieten. Doch die
eigenen Fantasien in die Tat umzusetzen, erweist sich für Alex als
sehr viel schwieriger als gedacht.
Mit der ironischen Leichtigkeit eines geborenen Erzählers und der
profunden Menschenkenntnis eines Mediziners erzählt Werner Bartens
vom Einschlafen des Begehrens und dem Wiederentfachen der Glut, für
das man allerdings wissen muss, wie man das Streichholz
zu
halten hat.
Werner Bartens, Jahrgang 1966, studierte Medizin,
Geschichte und Germanistik in Freiburg, Montpellier und Washington.
Nach ärztlichen Tätigkeiten an den Unikliniken Freiburg und Würzburg
und Forschungsarbeiten an den National Institutes of Health
in Bethesda (USA) und am Max-Planck-Institut
für
Immunbiologie in Freiburg ist er inzwischen Leitender Redakteur im
Wissenschaftsressort der "Süddeutschen Zeitung". Er wurde mehrfach
mit renommierten Journalistenpreisen ausgezeichnet. 2009 wurde
Bartens zum "Wissenschaftsjournalisten des Jahres" gewählt. Seine
zahlreichen Sachbücher wurden allesamt zum Bestsellern und in zwölf
Sprachen übersetzt. (Karl Blessing Verlag)
"Glücksmedizin"
Ein gesundes Leben zu führen ist eigentlich ganz einfach. Ohne
schlechtes Gewissen und ohne die Einflüsterungen der Diät-,
Wellness- und Pharmaindustrie lebt es sich nicht nur entspannter,
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