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Lutz Seiler: "Das tickende Herz"
Zu Beginn des neuen Jahrtausends kehrt Carl Bischoff aus der brandenburgischen Provinz nach Berlin zurück, doch nur, um bald wieder aufzubrechen. Seine Pilgerschaft folgt jener wie aus dem Nichts aufgetauchten Tochter eines kasachischen Schamanen, die fast alles über ihn zu wissen scheint. Amsterdam, Rotterdam, die Kurische Nehrung und die winterkalte Steppe Kasachstans sind die Stationen ihrer märchenhaft-magischen wie zweifelhaften Liebe. Einen surrealen Ausgang findet Ayshas und Carls Geschichte mitten im alten Atombombentestgelände, in dem sich Ayshas Sippe verschanzt hat, um ein Opfer zur Rettung der Erde vorzubereiten - während Carl der Welt abhandenkommt.
Ist das Liebe, Verhängnis - oder Verschwörung? Dieser große, Grenzen sprengende Roman beginnt mit einer kleinen, nicht heilenden Wunde, die ein Kuss verursacht hat, und führt uns um den halben Erdball. Nach den preisgekrönten Erfolgstiteln "Kruso" und "Stern 111" erzählt Lutz Seiler das Leben seines Helden weiter, in dem sich Weltgeschichte und persönliches Schicksal überschneiden. (Suhrkamp)
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Péter Nádas: "Meine toten Freunde"
Ein Hohelied auf die Freundschaft, eine intensive Reflexion über den Tod, ein polyfoner Lebensroman, die Krönung eines beispiellosen autobiografischen Werks.
Sie sind zu viert in diesem Buch: die Psychologin Alaine Polcz, ihr Mann Miklós Mészöly, Vaterfigur der modernen ungarischen Literatur, der weltbekannte Autor Péter Esterházy - und derjenige, der hier voller Aufrichtigkeit, Respekt und Liebe von seinen Freunden erzählt. Péter Nádas geht mit einem Erinnerungsbuch, das sich allen Einordnungen widersetzt, dem dichten Gewebe dieser vier Leben nach, die schon vor ihrer Geburt verbunden waren und auch durch den Tod nicht zu trennen sind.
Über ein halbes Jahrhundert ungarischer und europäischer Geschichte hinweg, die Grenzen zwischen Orten, Klassen, Ländern, politischen Systemen überschreitend, führt uns der "Erinnerungssturm" dieses Werks. Und so wird dieses Porträt einer intellektuellen Schicksalsgemeinschaft Abbild einer Epoche. (Rowohlt)
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Jáchym Topol: "Die Hölle gibt es nicht"
Prag, am 24. Februar 2022, dem Tag des russischen Großangriffs auf die Ukraine. Tom, ein alternder Journalist, bricht mit seiner Geliebten zu einem Ausflug in die Umgebung auf. Ein südböhmisches Barockkloster verspricht Ablenkung von innerer und äußerer Konfusion: Seine Ehe ist kaputt, der Arbeitsplatz hängt am seidenen Faden, der schwule Sohn macht ihm Sorgen. Da meldet sich die Redaktion - "Point", ein angesagtes Organ, finanziert von einem undurchsichtigen Geschäftsmann mit Verbindungen nach Russland. Man braucht sofort einen Artikel über das Vertrauen der Tschechen in die Nato ...
"Die Hölle gibt es nicht" erzählt voller Komik und Verzweiflung, was aus den Hoffnungen und Träumen von 1989 geworden ist. Da taucht nicht nur die alte, sehr tschechische Geschichte wieder auf - gegen die Panzer einer Invasionsarmee ist der Einzelne machtlos. Sondern auch die akute Erfahrung: verstrickt in Liebes- und Familienchaos, wird man dem historischen Augenblick kaum gewachsen sein. (Suhrkamp)
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Botho Strauß: "Bleiben und Blicken"
"Mir genügen die wenigen, einer genügt mir, auch niemand genügt." In Botho Strauß' neuem Buch geht es um die Zeit und ihr Vergehen, um den Zauber der Kunst, um das Originale und das Eigentliche. Vor allem sind es Begegnungen und Nichtbegegnungen, die in ihrer schwebenden Schärfe Eindruck machen: die Frau, die auf den Moment ihrer Zurückweisung wartet, die jungen Linkischen, Ungeschickten. Der Blick berührt, erkennt, stellt fest - und schweift weiter, ohne an der Gegenwart zu verzweifeln. Um sich schließlich aufzuschwingen zu Naturbetrachtungen von seltener Eleganz und Schönheit, als stieße sich der Autor ab von all dem Wissen und geriete in eine unerhörte Leichtigkeit, "bis Minuten niegekannter Unerfahrenheit entstehen". (Hanser)
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Michael Köhlmeier: "Mein privates Glück"
Alles beginnt mit einem vierjährigen Buben aus Coburg, der nicht weiß, dass er Eltern hat - bis er eines Tages mit der Eisenbahn in Lindau ankommt. Ein fremder Mann holt ihn ab und begleitet ihn in ein Haus ans Bett einer gelähmten Frau. Er ist sein Vater, sie ist seine Mutter.
Wie wird man der Mensch, der man ist? Michael Köhlmeier hat sein Lebensbuch geschrieben, den großen Roman seiner Familie. Er erzählt von den Traumata der Weltkriege, die bis in die Gegenwart nachwirken, und vom Alltag in einer erzählsüchtigen Verwandtschaft. Schonungslos ehrlich und mit der ganzen Kraft der Fiktion dringt er in die Tiefe der menschlichen Existenz. "Alles wird sich irgendwann irgendwie zurechtschütteln, darin liegt die Zuversicht meines Lebens." (Hanser)
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João Guimarães Rosa: "Großer Sertão: Querungen"
"Großer Sertão: Querungen hat den epischen Atem der ganz großen Romane. Riobaldo erzählt darin die Geschichte seines Lebens: Kurz vor dem Tod seiner mittellosen Mutter lernt er einen Jungen aus der Oberschicht kennen, der Beginn einer lebenslangen Freundschaft. Er geht zur Schule und lernt den Umgang mit Waffen. Riobaldo schließt sich einer Privatmiliz an, die die organisierten Bandenkriege im Sertão beenden soll. In einem labyrinthischen Erzählstrom porträtiert João Guimarães Rosa eine Gesellschaft zwischen Gut und Böse, deren fester Bestandteil das Verbrechen ist.
João Guimarães Rosa, geboren 1908, eignete sich autodidaktisch Spezialwissen und zahlreiche Sprachen an. Er arbeitete zuerst als Militärarzt und Diplomat, vorübergehend auch als Vizekonsul in Hamburg. Ab 1956 veröffentlichte er sein Hauptwerk "Großer Sertão: Querungen" sowie weitere Romane und Erzählungsbände. 1967 starb er in Rio de Janeiro. (S. Fischer)
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Paulus Hochgatterer: "Mio und die Unsterblichkeit"
Der neue Roman von Paulus Hochgatterer über Verlust, Vergänglichkeit und Unsterblichkeit.
Ingemar ist sechzehn und denkt gerne nach. Über Wörter, über Gerechtigkeit, über die Menschen. Darüber, wie Entscheidungen fallen, und darüber, warum die Dinge so geworden sind, wie sie sind. Als eines Tages Mio, eine junge schwarze Katze, in Ingemars Familie kommt, scheint plötzlich alles aus dem Ruder zu laufen. Mio frisst nicht, wenn sie soll, hat einen dunklen Fleck im Auge, klettert auf das Dach und jagt Vögeln hinterher.
Ingemars Eltern machen sich Sorgen, und in ihm selbst wächst die Vermutung, dass an der Rede von den sieben Leben einer Katze doch etwas Wahres sein könnte ...
Paulus Hochgatterers lang erwartetes neues Buch handelt von Verlust und Vergänglichkeit, vom Vergehen der Einsamkeit und davon, wie wunderbar es sein kann, jemand Unsterblichen an seiner Seite zu haben. (Zsolnay)
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Daniel Damler: "Masaya"
Mittelamerika, 1529: Als Gesandter des spanischen Königs soll Fernández de Oviedo den Vulkan Masaya erkunden. Ist er das Tor zur Hölle, wie die Einheimischen meinen? Oder die Pforte zu allen Reichtümern der Welt? Während der gefährlichen Expedition durch dichten Urwald und über karge Höhen denkt Oviedo zurück: an sein Leben bei Hofe als Vertrauter des Infanten, seine Zeichenstunde mit Leonardo da Vinci, an den Besserwisser Kolumbus oder die Königin Johanna, die sie die Wahnsinnige nannten und die doch klüger als alle Anderen war. Aber die Neue Welt zeigt sich bald weniger unberührt, als es scheint. Oviedo trifft auf bewaffnete Frauen, deutsche Schmetterlingsjäger, verdächtig gelehrte Einheimische und allerlei unerklärliche Phänomene. In der dünnen Bergluft sucht er nach der Wahrheit - über diesen Erdteil, dessen Eroberung und über sich selbst.
Fernández de Oviedo (1478-1557), Naturforscher und Entdecker, war das große Vorbild Alexander von Humboldts. "Masaya" erzählt wie nebenbei sein illustres Leben und entfaltet das Panorama einer Epoche, die in ihren wankenden Wahrheiten unserer Zeit verblüffend ähnlich ist.
Daniel Damler, geboren 1975, arbeitet als Anwalt, lehrt an der Universität Tübingen und forscht am "Max-Planck-Institut für Rechtsgeschichte und Rechtstheorie". Er schreibt regelmäßig für das Feuilleton der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Daniel Damler lebt in Frankfurt am Main. "Masaya" ist sein erster Roman. (Rowohlt Berlin)
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