Georg Miesen: "Sommer der Hexen"

Ein fantastischer Roman aus der Eifel


Ein uraltes Geheimnis aus der Zeit der Hexenverfolgung

In dem kleinen Ort Marmagen in der Eifel leben der Arzt Peter Meinert und die Heilpraktikerin Ines Böringer in stiller und vorsichtiger Konkurrenz nebeneinander her, wobei der gute Herr Doktor nicht weiß, dass seine Konkurrentin um die Gesundheit des Dorfes selbst eine vollständige medizinische Ausbildung genossen hatte, bevor sie von einer ihr nicht bekannten Verwandten in die traditionelle Heilkunde eingeführt wurde, wobei ihr außerdem noch gewisse angeborene Talente hilfreich waren.

Doch verschiedene Ereignisse führen dazu, dass diese beiden Personen einander im Laufe dieses Romans näher kennenlernen müssen. Zunächst findet sich bei Grabungsarbeiten in der Nähe von Dr. Meinerts Praxis ein Skelett, das in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich ist und außerdem den Doktor in ganz eigentümlicher Art und Weise berührt. Kurz darauf wird ein Mann von einer Horde wild gewordener Ratten angefallen, und in ganz Marmagen fliegen auf einmal bei Kanalexplosionen etliche Deckel in die Luft und verletzen nicht wenige Menschen. Dabei kann Dr. Meinert beobachten, dass seine Konkurrentin bei der Versorgung der Verwundeten große Professionalität an den Tag legt, was ihn erfreut.

Im selben Zeitraum ist eine der Schwesternhelferinnen seiner Praxis bei einer Séance tatsächlich mit seltsamen Kräften in Verbindung getreten, die dringend einen Weg in unsere Realitätsebene suchen. Und so beginnt sich in dem kleinen Ort Marmagen eine Geschichte ihrem grausamen Abschluss zu nähern, die mehr als 300 Jahre zuvor ihren Anfang genommen hat. Und da Wolf Krüger auch einer von Ines Bröbingers Klienten ist, wird er - immer noch besessen von seinem Schwarzen Engel - mit in die Ereignisse hinein gezogen, wie auch die ihm unterstehende Sonderabteilung für okkulte Kriminalität des BKA. Seine Beteiligung ruft auch den Bund mit auf den Plan, dessen Mitgliedern diese Einmischung aber ausnehmend schlecht bekommen soll.

Überhaupt greifen die Kräfte, die in Marmagen und Umgebung wirksam werden, immer mehr um sich und fordern auch schnell viele Opfer in der "Zivilbevölkerung", was bei einigen der Beteiligten, die sich dafür verantwortlich fühlen, große Schuldgefühle auslöst. Aber im Kampf des Guten gegen das Böse sind deplatzierte Schuldgefühle Waffen im Arsenal der Gegenseite, wie sich im Verlauf der Geschichte immer wieder zeigen soll.

Ausgehend von zwei realen historischen Figuren des ausgehenden sechzehnten und beginnenden siebzehnten Jahrhunderts entwickelt Georg Miesen, Jahrgang 1962, in "Sommer der Hexen" eine okkulte Kriminalgeschichte voller Komplexität und interessanter Überraschungen. Viele Fragen bleiben am Ende noch offen, was auf eine gedachte Fortsetzung der Reihe schließen lässt. Dabei beruht dieser Roman auf den Motiven des anno 2002 erschienenen und nun schon länger vergriffenen Buchs "Hexensommer in der Eifel".

Fazit:
Eine interessante Erzählung für Freunde des fantastischen und des historischen Romans.

(K.-G. Beck-Ewerhardy; 11/2008)


Georg Miesen: "Sommer der Hexen"
KBV-Verlag, 2008. 357 Seiten.
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