Italien mein, könnt' heilen nur mein Wort
die Wunden tödlich offen,
die man dir in den schönen Körper stieß!
Doch sei mein Klagen, wie sie es erhoffen
am Tiber, Arno dort,
am Po, wo ich mich traurig niederließ.
Herr, der uns hoffen hieß,
der du herniederkamst in unser Pein.
schenk dein Erbarmen dem geliebten Land,
und bleib ihm zugewandt.
Schau, um ein Nichts die Herzen sich entzwein,
sie, die gebannt in Stein
Mars' schlimme Leidenschaft.
Erwärme sie, bring sie zu neuem Leben.
Und deiner Wahrheit Kraft
sei meinem Wort, wer ich auch sei, gegeben.

Ihr, die ihr nahmt dies Reich in eure Hand
durch der Fortuna Macht,
das mitleidlos ihr quält mit eurer Wut,
wer hat die fremden Waffen hergebracht,
durch die das grüne Land
gerötet ist von der Barbaren Blut?
Euch trübt der Wahn den Mut,
ihr glaubt, statt wenig, dass ihr viel empfingt,
meint, dass gekaufte Liebe wirklich liebt.
Den große Schar umgibt,
der ist von seinen Feinden schon umringt.

Oh, welche Sintflut dringt
aus welchen fremden Wüsten,
die süßen Fluren uns zu überschwemmen,
wenn wir sie selbst gegrüßten,
wen kann dies Unglück denn bei uns noch hemmen?

Natur war wohl auf unseren Schutz bedacht,
als sie der Alpen Mauer
zum Wall uns vor der Deutschen Wut erbaut.
Indes die Gier, Feind jedes Glückes Dauer,
wühlt so in ihrer Nacht,
dass Krätze nun bedeckt die reine Haut.
In einer Hürde, schaut,
sieht man die Wölfe sich zur Herde wagen,
so dass die Guten trifft der Bösen Tat.
Und dies ist erst die Saat
des schlimmen Volkes für noch größre Plagen,
dem, wie sie sagen,
einst Marius weggerafft
so viele, nie dies in Vergessen sank,
dass durstig, ohne Kraft,
er mehr an Blut im Fluss als Wasser trank.
Von Cäsar schweig ich, siegreich, ohne Rast,
der rot die Fluren machte,
wo er sein Schwert dem Feind entgegenschwenkte.
Mir scheint - ist's, weil ein Stern uns Unheil brachte? -,
dass uns der Himmel hasst,
der euch mit seiner Gunst so sehr beschenkte.

Seit Euch die Zwietracht lenkte,
dies schöne Land sich schwarz mit Trauer färbt.
O Schuld und Strafe, schlimmes Schicksalswort:
Ihr treibt den Nachbarn fort,
den Unglücklichen ruchlos ihr verderbt.
Ihr fremde Söldner werbt
und seht es mit Genuss,
wie sie mit Blut befleckt sich kaufen lassen.
Aus Not ich schreien muss,
doch nicht verachten will ich und nicht hassen.

Vor so viel Zeichen ihr die Augen schließt
und dabei nicht erkennt
des Bayern Trug, der scherzt nur mit dem Tod.
Mehr schmerzt der Hohn noch als der Schaden brennt,
doch euer Blut, es fließt
so tödlich, weil in euch die Rachsucht loht.
Beim ersten Morgenrot
denkt doch an euch, dann werdet Ihr es sehen,
wie der euch liebt, der selbst sich Schmach antut.
O edler Römer Blut,
lasst diese Geißel gehen!
Was nützt euch anzuflehen
den Namen leer und dreist?
Denn wenn dem Furor aus des Nordens Nacht
sich unterwirft der Geist,
ist's unsre Schuld und nicht des Schicksals Macht.

Berührte nicht mein Fuß zuerst dies Land?
War nicht mein Nest gebaut hier,
wo die Nahrung mir so süß geschmeckt?
Hab ich nicht stets dem Vaterland vertraut?
Mutter, mit zarter Hand
hast du die Eltern beide mir bedeckt.
Bei Gott, wenn dies nicht erweckt
Erbarmen in euch, dass ihr einmal neigt
den Blick auf dieses Volk, das ihr vernichtet
und das doch einzig richtet
auf euch, nach Gott, sein Hoffen, jetzt nicht schweigt!
Nur einmal Mitleid zeigt,
dann, mit des Nordens Wut,
wird sich in kurzem Kampf die Tugend messen.
Noch ist der alte Mut
in der Italer Herzen nicht vergessen.

Ihr Herrn, wie schnell die Zeit fliegt, seht doch ein,
und wie das Leben flieht
und uns der Tod schon hinterm Rücken steht.
Ihr seid noch hier, bedenkt, wohn (sic!) ihr zieht.
Die Seele nackt, allein,
schon an des dunklen Weges Ende seht.
Wenn durch dies Tal ihr geht,
den Hass und die Verachtung von euch reißt,
die finstern Feinde eurer Heiterkeit.
Vertut nicht eure Zeit
mit Ränken, schafft ein Werk, das jeder preist,
mit Händen oder Geist,
der Tugend Lorbeer pflückt,
auf schöne Studien richtet euer Streben,
so seid ihr hier beglückt
und bahnt den Weg euch für das ew'ge Leben.

Lied, diesen Auftrag nimm:
Sag deine Sache höflich, aber frei.
Zu hochgestellten Herren führt dein Gang,
in deren Seelen drang
das alte Gift der schlimmen Schmeichelei,
der Lüge Kumpanei.
Doch wird es auch geschehen,
dass du auf Großmut triffst, des Guten Hort.
Dort ruf: - Wer hört mein Flehen?
Ich schreie Frieden, Frieden, immerfort! -


(von Francesco Petrarca
aus dem Italienischen von Karlheinz Stierle)