Eduard Márquez: "Im Schutz der Nacht"
Roman um die Aufarbeitung einer rätselhaften Liebesbeziehung
Nachdem
Lars Belden zufällig die Todesanzeige seiner ehemaligen Geliebten in der
Zeitung gefunden hat, begibt er sich im Schutz der Nacht in ihre Wohnung, deren Schlüssel er noch
besitzt, und sucht nach der Antwort auf eine Frage, die ihn bisher nicht zur
Ruhe kommen ließ:
Warum verließ sie ihn so plötzlich und ohne eine Erklärung?
Daraus ergeben sich andere Fragen: Welche Geheimnisse barg sie in sich, dass sie
sich ihm trotz aller Liebe nie ganz öffnen konnte? Woher rührten die
unbestimmte Angst, die er immer wieder an ihr beobachtete, und ihre
Auseinandersetzung mit dem Thema "Schuld"? Vor allem: Was befindet
sich in dem rätselhaften Zimmer, das er nie betreten durfte?
Ihr Tod macht das Tabu nichtig. In dem Zimmer aber findet Lars Belden Sela
Hubers minutiöse Dokumentation ihres ganzen erwachsenen Lebens. Der ersten
Nacht folgen vier weitere, in denen er Selas Weg in die Hoffnungslosigkeit
rekonstruiert und sie besser kennen lernt als während der Zeit ihrer Beziehung.
Und im Schutz der Nacht begreift er,
dass ihr Bruch mit ihm die einzige Möglichkeit war, sein Leben zu retten.
Ein Liebesroman? Ein Entwicklungsroman? Ein Kriminalroman?
"Im Schutz der Nacht" enthält Elemente aus allen diesen Genres. Was zunächst
wie eine diskrete Spurensuche beginnt, bringt ein Netz aus Abhängigkeit,
scheinbarer Flucht und mörderischer Obsession ans Tages- oder vielmehr
Lampenlicht. Und über allen Fragen steht jene nach der Identität: der Identität
der Frau, die Lars Belden geliebt hat und doch nie kannte, und seiner eigenen,
die durch diese unglückliche Liebe und seine Unfähigkeit, deren Ende
anzunehmen, dauerhaft verändert wurde. Sela Hubers Tod gibt ihm die Antworten -
und mit ihnen die Freiheit.
Die Sprache dieses spannenden und bedrückenden Romans ist schlicht, schmucklos.
Die Form tritt zurück, damit der Inhalt umso unmittelbarer vermittelt wird: das
Grauen unter der Oberfläche einer nicht einmal scheinbar normalen Existenz. Die
Umgebung der beiden Hauptpersonen, ihr Leben abseits ihrer Beziehung, tritt nur
schemenhaft in Erscheinung, Handlung und Skizzierung der Charaktere beschränken
sich auf das Wesentliche. Daher werden auch nicht alle Fragen des Lesers an die
Geschichte beantwortet, was manchem etwas unbefriedigend erscheinen mag (oder
vielleicht den Eindruck vermittelt, der Autor habe es sich hierbei etwas leicht
gemacht). Am Ende steht Selas Opfer und mit ihm Lars Beldens Erkenntnis, dass
ihre Zurückweisung der tiefste und mutigste Liebesbeweis war.
Typisch katalanische
Literatur? Nein, "Im Schutz der Nacht" könnte überall spielen, Lars und
Sela einer beliebigen Nationalität angehören, und der Anklang eines bedrückenden
Existentialismus macht diesen Roman zu einem ausgesprochen internationalen Buch.
Ausstattung und Verarbeitung entsprechen der gewohnten hohen Qualität des Verlags und ergänzen
somit den erfreulichen Gesamteindruck: "Im Schutz der Nacht" bietet
ein packendes Leseerlebnis auf gehobenem Niveau.
(Regina Károlyi; 11/2005)
Eduard Márquez: "Im Schutz der Nacht"
Übersetzt von Ilse Layer.
dtv, 2005. 140 Seiten.
ISBN 3-423-24492-5.
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Eduard Márquez wurde 1960 in
Barcelona geboren. Er hat bisher Lyrik, Erzählungen und einen Roman veröffentlicht,
die bei Lesern und Kritik höchstes Lob ernteten. "Das Schweigen der Bäume"
zählt zu den fünf besten katalanischen Romanen des Jahres 2003 und wurde für
den "Premi Llibreter 2004" nominiert, mit dem die katalanischen Buchhändler
ihr Lieblingsbuch küren:
"Das Schweigen der Bäume"
Eine belagerte Stadt, irgendwo auf der Welt. Es herrscht Krieg, und nichts
deutet darauf hin, dass der Schrecken bald ein Ende hat. Die Lebensmittel werden
immer knapper, Strom gibt es nur ein paar Stunden am Tag, fließendes Wasser
schon lange nicht mehr. An einen solchen Ort begibt man sich nicht freiwillig.
Trotzdem hat Andreas Hymer zugesagt, dort ein Konzert zu geben. Was ihn in seine
Heimatstadt treibt, ist die Aussicht auf ein Wiedersehen mit der Pianistin Amela
Jensen. Der begnadete Violinist möchte zudem noch einen anderen Menschen
ausfindig machen: Ernest Bolsi, der ihm kurz vor Ausbruch des Krieges
geschrieben hatte, er habe eine Geige für ihn. Zu finden ist der Geigenbauer im
Musikinstrumentenmuseum, und um ihn schart sich ein Grüppchen
unterschiedlichster Menschen. Sie alle lauschen diesem seltsamen Museumsführer,
der ihnen inmitten von Trümmern und leer geräumten Vitrinen von den einstigen
Ausstellungsstücken berichtet und sie so für eine Stunde ihr Leid vergessen lässt.
Als Bolsi den berühmten Violinisten
erblickt, beginnt er die Geschichte einer Geige zu erzählen. Einer Geige, die
den Traum vom vollkommenen Klang wahr werden lassen sollte: den Traum von Sophie
Kesner, einer hochtalentierten Geigerin und - Mutter von Andreas Hymer. Für
Hymer bleibt dies jedoch nicht die letzte Enthüllung. Als er Amela gegenübersteht,
stockt ihm der Atem ... (dtv)
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