Leopold J. Edelbauer: "Kaffee"

Alles über ein Genussmittel, das die Welt veränderte


Nun ja, alles ist es natürlich nicht, was der Leser aus dem berufenen Munde Leopold Edelbauers über den Kaffee erfährt, für das kleine Büchlein ist es aber doch allerhand und betrifft die verschiedensten Zusammenhänge.
Packend etwa liest sich die Schilderung, wie und wann der Kaffee in die Wienerstadt kam, 1683 nämlich bei der zweiten Türkenbelagerung, wo die Osmanen ihre regelrechte Zeltstadt, mit der sie Wien zur Belagerung umgeben hatten, nach der verheerenden Niederlage gegen das Entsatzheer unter dem Herzog von Lothringen fluchtartig stehen lassen mussten, und so manche orientalische Perle - deren wertvollste wohl der Kaffee - in die Hände der Wiener fiel. Der Autor macht mit Recht besonders auf das bereits langanhaltende Gerücht aufmerksam, der Mann, der wesentlichen Anteil an der Rettung Wiens hatte, der Pole Gregor Kolschitzky, habe den Wienern gleichzeitig - beziehungsweise ein paar Wochen später - den ihm bereits aus Istanbul bestens bekannten Kaffee nahegebracht. Und ob das nun so stimmt oder nicht, ist es jedenfalls ein starkes Indiz dafür, dass die Wiener sehr bald auf den Geschmack gekommen sind.

Historie wird also geboten, aber auch Gegenwart, wichtige Anbaugebiete nebst dortigen Arbeitsbedingungen, Kaffeeverbrauchstatistiken und ähnliches mehr werden erwähnt. Weitere Abschnitte kreisen um das Trinken selbst, angefangen bei der Ernte und Aufbereitung der Kaffeekirschen über Bohnen- und Zubereitungsarten bis hin zu den Merkmalen eines wohlbereiteten Kaffees, der Rest ist dann Geschmackssache.

Schließlich wird auch noch darauf eingegangen, was man denn da trinkt, also auf die Inhaltsstoffe, wobei beim Beschreiben deren Neben- und Hauptwirkungen mit so manchem negativen Vorurteil der Medizin radikal aufgeräumt wird. Nicht nur ist der (mit werten Bohnen wohlzubereitete) Kaffee ein köstliches und vornehmes Getränk, er bewirkt außerdem eine schnellere Assoziationsfähigkeit und bessere Verdauung, stärkt Urteilskraft und Intuition und senkt gleichzeitig die Anfälligkeit für Selbstmord und Schlaf.
Mit einem Wort, der Kaffee ist je nach Weltanschauung Gabe Gottes, der Natur oder einfach eine ganz feine Sache, und dem Bedauernswerten, dem das noch nicht klar gewesen ist, wird es das spätestens nach der Lektüre dieses Buches werden.

(fritz)


Leopold J. Edelbauer: "Kaffee"
Pichler Verlag, 2000. 119 Seiten.
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