Christian Ankowitsch: "Warum Einstein niemals Socken trug"

Wie scheinbar Nebensächliches unser Denken beeinflusst


Wissenschaft verpackt in einen nützlichen "Gebrauchsgegenstand" des Alltags

Wie man durch künstliches Lächeln seine Stimmung positiv verändern kann, warum man mit einem warmen Getränk in der Hand Menschen sympathischer bewertet, und wie die Körperhaltung zu unserer Außenwirkung beiträgt - diese und noch mehr spannende Fragen beantwortet Christian Ankowitsch in seinem Buch "Warum Einstein niemals Socken trug".

Er legt das Wechselspiel von Gehirn und Körper, Denken und Verhalten offen. Der Autor zeigt auf, was uns im Alltag unterbewusst stets begegnet - Verhaltensweisen, Gefühle, Mimik und Gestik - und die, oft weitreichenden, Wirkungen. Dabei offenbart er vor allem den Stellenwert von "scheinbar Nebensächlichem" und bringt Kleinigkeiten groß raus.

Unterteilt in fünf Großkapitel und diverse Unterkapitel versucht der freie Journalist und Buchautor, das differenzierte Feld der Kooperation zwischen Geist und Körper zu ordnen und für Laien verständlich zu machen. Anekdoten aus dem Leben berühmter Wissenschaftler, zum Beispiel Einsteins, dem Leben des Autors selbst, wissenschaftliche Erkenntnisse und Studien sowie Alltagssituationen mischen sich zu einem interessanten und aufschlussreichen Paket geballter Informationen.

 

"Nein, ich habe jene Hinweise (Interventionen, Tricks)
weder frei erfunden noch entwickelt. Vielmehr habe ich sie recherchiert, also aus vielen glaubwürdigen und wissenschaftlich abgesicherten Quellen zusammengetragen und geordnet. Und ich habe sie möglichst unterhaltsam aufgeschrieben. In den Fußnoten steht, woher welcher Trick und welche These stammen. Keine Angst: Sie müssen das Kleingedruckte nicht lesen, um dem Buch folgen zu können. Sie sind zur Sicherheit da, falls es Ihrerseits Fragen nach dem Kleingedruckten gibt. Ein Blick hinein lohnt sich aber allemal, weil dort der ein oder andere interessante Hinweis versteckt ist.
Noch ein Wort zu den Lesern, die ich beim Schreiben dieses Buchs vor mir gesehen habe (und immer noch sehe, denn das Schreiben eines Buchs ist nie abgeschlossen; noch Monate nach dem Druck denke ich über bestimmte Passagen nach). Ich sah und sehe Leserinnen und Leser vor mir, denen es Spaß macht, an ihren intuitiven Überzeugungen zu rütteln. Probehalber. Immer wieder. Zum Beispiel an dem Glauben, dass Intelligenz die Frage eines möglichst effektiv trainierten Gehirns ist. Diese Annahme ist weit verbreitet, aber nachweislich falsch. Schon allein deshalb, weil unser Gehirn kein Muskel ist, den man wie im Fitnessstudio trainieren könnte. Unser Gehirn ist vielmehr ein hochkomplexes Organ, ein Meister des Vernetzens, dessen Arbeit maßgeblich von unserem Körper beeinflusst wird. Für solch ein Wunderwerk gelten andere Gesetze als für den simplen Bizeps."
(Aus dem Buch)

Anschaulich und amüsant spricht Christian Ankowitsch den Leser direkt an und fordert ihn zu kleinen Experimenten auf. Tipps für das eigene Leben, simple Tricks und unvermutete Zusammenhänge sind das praktische Resultat. Dennoch betont der Autor, dass sich die Ratschläge im Buch nicht "zur Behebung ernsterer Probleme" eignen würden.

Conclusio:
Ein praktischer Ratgeber für den Alltag mit sich selbst und Anderen  - jedoch kein "Heilmittel" für ernsthafte Probleme oder Erkrankungen, wie zum Beispiel Depressionen.

(Alexandra Gölly; 02/2015)


Christian Ankowitsch: "Warum Einstein niemals Socken trug.
Wie scheinbar Nebensächliches unser Denken beeinflusst"

Rowohlt Berlin, 2015. 300 Seiten.
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