"Die Entdeckung des Himmels"

R: Jeroen Krabbé
D: Stephen Fry, Greg Wise, Flora Montgomery, Neil Newbon u. a.
Niederlande 2001


Gott hat die Menschen in all ihrer Fehlerhaftigkeit satt und verlangt jene Steinplatten mit den 10 Geboten von ihnen zurück, die Basis ihres Tuns hätten sein sollen. Natürlich hat ein auserwähltes Menschenkind die Aufgabe, diesen Auftrag auszuführen. Und so spinnt ein junger, engagierter Engel in einem nach Entwürfen des Architekten und Radierers Giovanni Battista Piranesi gestalteten Himmelreich seine Fäden, um eine komplizierte Dreiecksliebesgeschichte zu konstruieren, der Quinten (Neil Newbon) entspringen soll.

In seinem mehr als zweistündigen Epos hat sich der Regisseur Jeroen Krabbé an den gleichnamigen Bestseller des Autors Harry Mulisch gewagt, unter dessen wohlwollendem Auge er die Groteske über die christliche Kultur Europas verfilmte. Das malerische Werk wird durch sehr präsente und großartige HauptdarstellerInnen getragen. Der arrogante Altphilologe Onno Quist (Stephen Fry) trifft auf den unruhigen Frauenhelden Max Delius (Greg Wise). Zwischen ihnen entsteht eine enge Freundschaft, eine Art Seelenverwandtschaft. Beide verlieben sich schließlich in die gleiche Frau, die junge Musikerin Ada (Flora Montgomery).

Das Schicksal nimmt seinen Lauf. Letztlich wird Ada schwanger und es bleibt vorerst unklar, wer der Vater des Kindes ist. Auf tragische Weise bleibt dem kleinen Quinten seine Mutter verwehrt, und er wächst mit und zwischen seinen egozentrischen und ehrgeizigen Vätern auf. Doch der Tag naht, an dem der „Auserwählte“ seine Aufgabe zu erfüllen hat. Geradezu heldenhaft schlagen sich die ProtagonistInnen Krabbés durch ihr Schicksal, das mitunter etwas zu dick aufgetragen erscheint. Es ist den überzeugenden Hauptfiguren auch zu verdanken, dass sie nicht lediglich zur Staffage für eine düstere, bombastische Bilderwelt nach Piranesi degradiert werden. Trotzdem wohl eine gelungene, spannende Verfilmung einer seitenstarken Romanvorlage.

(ama; 03/03)