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Doña Gio sang immer noch, aber das Kreischen der Furien übertönte
im Moment ihre Stimme. Die hungrigen Göttinnen jagten um ihrer beider Köpfe,
nährten sich von ihrem Zorn. Das Pincus-Interview dröhnte in ihm,
und Milas Ausdruck veränderte sich. "Still", sagte sie. "Okay,
es tut mir leid, aber würdest du bitte aufhören, dieses Geräusch
zu machen? Die werden uns gleich hier rausschmeißen, und ich hab noch
nicht mal mein Dessert bekommen." Es war deutlich, daß das Dröhnen
in den Raum hinausgedrungen war. Die Leute starrten. Der Eigentümer und
Manager, ein Raul-Julia-Typ, kam schon auf sie zu. Ein Glas zerbrach in Malik
Solankas Hand. Es floß ein häßlicher Strom aus Wein und Blut.
Jetzt mußten sie wirklich gehen. Verbandszeug wurde geholt und appliziert,
die Hilfe eines Arztes abgelehnt, die Rechnung eiligst herbeigebracht und beglichen.
Draußen hatte es zu regnen begonnen. Milas Wut ließ nach, übertroffen
von seiner eigenen. "Also, diese Frau bei Howard",
sagte sie, als sie endlich ein Taxi erwischt hatten, "die kam mir im Grunde
vor wie eine alternde Nympho, die aus dem Nähkästchen plaudert. Du
bist ein älterer Mensch, du solltest wissen, wie das Leben ist. Überall
hängen lose Fäden herum, und gelegentlich schnappen sie zurück
und schlagen dir wie eine Peitsche übers Gesicht. Laß sie laufen.
Sie bedeutet dir nichts, hat dir kaum jemals was bedeutet, und bei der Masse
von schlechtem Karma, die sie aufbaut, sehe ich schwarz für sie. Also Schluß
mit dem Gebrüll in der Öffentlichkeit! Herrgott. Manchmal kannst du
einem richtig Angst einjagen. Meistens denke ich, daß du keiner
Fliege
was zuleide tun kannst, und dann spielst du plötzlich diesen
Godzilla aus der Schwarzen Lagune, der aussieht, als könnte er einem
T-Rex
die Kehle zerreißen. Das mußt du unter Kontrolle bringen, Malik.
Wo immer es herkommt, dorthin mußt du es zurückschicken."
"Der Islam wird deine Seele von schmutziger Wut befreien", fiel der
Taxifahrer ihr ins Wort, "und dir den heiligen Zorn zeigen, der Berge versetzt."
Und dann ergänzte er, indem er
die
Sprache wechselte und ein anderer Wagen seinem Taxi unerträglich
nahe kam; "he, Amerikaner! Du bist ein gottloser homosexueller Vergewaltiger
der Lieblingsziege deiner Großmutter." Solanka mußte lachen,
das furchtbare, freudlose Gelächter der Erleichterung: ein hartes, schmerzhaftes,
reißendes Schluchzen. "Hallo, Geliebter Ali", keuchte er. "Schön,
daß du wieder so groß in Form bist."
(...)
(aus "Wut"
von Salman Rushdie;
aus dem Englischen von Gisela Stege;
Kindler Verlag)