Ildikó von Kürthy: "Freizeichen"

Eine Frau die sich langweilt, ist zu allem fähig


Annabel ist 31 und glaubt, dass sie in ihrem Leben etwas ändern muss. Sie kann nicht mehr länger mit derselben Frisur, derselben Figur und demselben Mann leben, und deswegen packt sie spontan das Notwendigste - sieben Kilo Übergepäck und drei Kilo Übergewicht - um auf Mallorca im Haus ihrer reichen Tante ein neues Leben zu beginnen. Doch bereits bei der Ankunft auf Mallorca steht sie vor dem ersten Problem, denn zunächst ist ein überaus wichtiger Teil ihres Gepäcks nach Phuket geschickt worden, von wo es vorerst eine kleinere Rundreise startet, und dann ist ihre Tante nicht da, um sie am Flughafen abzuholen.

Von biologischer Notwendigkeit getrieben begibt sich Annabel wenig später an Bord einer großen Yacht und wird dort nach dem Erledigen ihrer Geschäfte von dem sehr gut aussehenden Führer dieses Schiffes in ein Gespräch verwickelt und gegen Ende auch noch geküsst. Nun ist sie in der ihrer Meinung nach beneidenswerten Situation, sich zwischen zwei Männern entscheiden zu müssen. Und mit diesem guten Gefühl begibt sie sich weiter in das Abenteuer Mallorca.

Unter viel Sinniererei über Männer und Frauen und Frauen und Frauen und Frauen und Kleidung und Frauen und Diäten und Frauen und Schuhe und Frauen und Kontaktlinsen, Frauen und Technik und Beziehungen im Allgemeinen springt sie nochmals auf die Yacht, um sich noch tiefer in das ungewohnte Gefühl des Begehrtseins hineinzusteigern. Zum Glück hat sie dann für den nächsten Tag eine Übernachtung mit kleiner Wellness in einem mallorquinischen Luxushotel gewonnen, so dass sie sich für einen Tag von der Nähe ihres neuen Verehrers zurückziehen kann. In diesem Hotel lernt sie dann eine Frau kennen, die den zurückgelassenen Mann in Deutschland schlagartig wieder in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen stellt. Und nun muss Annabel sich wirklich überlegen, was sie eigentlich genau will und wie sie ihr Leben weiter zu gestalten denkt.

Wer Fieldings "Bridget Jones" mochte, wird an diesem Roman seine helle Freude haben. Hier ist eine Frau, die nicht ganz so neurotisch wie Bridget - aber dafür wesentlich egomaner - im Mittelpunkt eines sozialen Geflechts, das der mitteleuropäischen Leserschaft entweder bekannt ist, oder das sie zumindest aus Frauenzeitschriften zu kennen glaubt. Jede Tiefgründigkeit wird mit oberflächlichen und vordergründigen Humorblasen vermieden und jede möglicherweise aufkommende Nachdenklichkeit über die Beziehung von Männern und Frauen unter dem nächsten Sprachwitz verborgen.

Dieses Buch ist so leicht im Anspruch, dass man sich problemlos damit auf dem Wasser treiben lassen kann. Eine ideale Urlaubslektüre.

(K.-G. Beck-Ewerhardy; 08/2005)


Ildikó von Kürthy: "Freizeichen"
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Ildikó von Kürthy lebt in Hamburg und ist Journalistin beim "Stern". Ihr erster Roman, "Mondscheintarif", wurde auf Anhieb ein Bestseller und fürs Kino verfilmt. 2001 erschien ihr zweites Buch "Herzsprung" im Wunderlich Verlag, ebenfalls bei Publikum und Kritik ein riesiger Erfolg.

Weitere Bücher der Autorin:

"Mondscheintarif"

Sie hat ein gestörtes Verhältnis zu ihren Füßen und zu ihrer Frisur. Sie findet sich nicht schwierig, sondern interessant. Ihre beste Freundin hat die größeren Brüste - und ist trotzdem ihre beste Freundin. Cora Hübsch ist 33. Alt genug, um zu wissen, dass man einen Mann niemals nach dem ersten Sex anrufen darf. Also tut sie das, was eine Frau in so einem Fall tun muss: Sie epiliert sich die Beine, hadert mit ihrer Konfektionsgröße und ihrem Schicksal - und wartet. Auf seinen Anruf. Stundenlang. Bis sich ihr Leben verändert. Zum Mondscheintarif.
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"Herzsprung"
Sie passen nicht zusammen. Zum Glück. Er ist Prominentenanwalt in Berlin, sie hat ein Café in Hamburg. Er lenkt sich von unerwünschten Gefühlen ab. Sie kostet sie aus. Er liebt seine Möbel. Sie liebt ihre Probleme. Sie lieben sich seit zwei Jahren - bis zu diesem verdammten Samstagmorgen. Sie hört seine Mailbox ab, und eine Nachricht bricht ihr das Herz. Er schläft noch, als sie ihn verlässt. Und als er aufwacht, ist seine Garderobe ruiniert und seine Freundin unterwegs. 48 Stunden und 950 Kilometer im Leben der Amelie Puppe Sturm: Rachefantasien, wehmütige Erinnerungen, zur Ablenkung ein bisschen Sex auf Sylt. Und Howard Carpendale, der sagt: "Fremdgehen ist wie Onanieren". In weiteren tragenden Rollen: ein brennender Briefkasten, ein chinesischer Faltenhund und eine unterernährte Blondine. Dazu ein Haufen weiblicher Weisheiten: "Das Leben wäre nicht mehr lebenswert, wenn Männer und Frauen sich verstehen würden". Natürlich ist Puppe rechtzeitig zurück zum unvergesslichen Finale. "Und was, Freunde, ist schon unvergesslich im Leben?"
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"Blaue Wunder"

Elisabeth ist 32 und hat den Liebeskummer ihres Lebens. Martin, in den sie unsterblich verliebt ist, hat nämlich leider vergessen, seine Verlobte zu erwähnen, mit der er in vier Wochen die Stadt verlassen wird. Vier Wochen! Elli setzt alles daran, ihre große Liebe zurückzuerobern. Und bekannterweise ist eine Frau mit Liebeskummer zu allem fähig. Erwähnt seien hier nur der brennende Pullover, die lesbische Liebesszene und der Besuch im Stripkurs.
Fachmännisch unterstützt wird Elli von ihrem hochneurotischen, schwulen Mitbewohner. Erdal weiß alles über Männer, Sex und Wimperntusche - und er kennt ein todsicheres Rezept, wie man auf unkonventionelle Weise die Fettverbrennung ankurbelt.
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