Thomas Bührke, Roland Wengenmayr (Hrsg.): "Geheimnisvoller Kosmos"

Astrophysik und Kosmologie im 21. Jahrhundert


"Das Weltall: Du lebst darin - entdecke es!"

"Wenn die Sterne nur von einem einzigen Ort aus auf der Erde sichtbar wären, würden die Menschen nie aufhören, dorthin zu reisen um sie zu sehen" (Lucio Annaeus Seneca: Naturales quaestiones - etwa 4 v.Chr. bis 65 n.Chr.)

Die Vollversammlung der Vereinten Nationen hat das Jahr 2009 offiziell zum "Internationalen Jahr der Astronomie" erklärt. Initiiert wurde es von der "International Astronomical Union" (IAU) und der UNESCO, in Erinnerung an den vierhundertsten Jahrestag der ersten Himmelsbeobachtungen durch ein Galileisches Fernrohr. Aus diesem Anlass laufen an allen Volkssternwarten Programme an, welche die Öffentlichkeit zur Himmelsbeobachtung einladen. Weltweit sollen die Menschen im Astronomiejahr nun selbst den Blick durch ein Fernrohr wagen dürfen und staunen wie Galileo Galilei im Jahre 1609, als er zum ersten Mal die Mondoberfläche, die Abermillionen Sterne unserer Milchstraße oder die Jupitermonde sah.

Auch viele Bücher wurden anlässlich dieses Ereignisses auf den Markt gebracht. Mit gleich drei Neuerscheinungen wartet der Verlag Wiley-VCH aus Weinheim auf. "Unser Fenster zum Weltraum - 400 Jahre Entdeckungen mit Teleskopen" von Govert Schilling und Lars Lindberg Christensen sowie "Verborgenes Universum" von Lars Lindberg Christensen, Robert Fosbury und Robert Hurt decken eher den populärwissenschaftlichen Bereich ab und sind ideal für Leute, die sich noch nicht allzu sehr mit Wissenschaft beschäftigt haben.

Ganz anders tritt die dritte Novität im Bunde, das vorliegende Buch "Geheimnisvoller Kosmos - Astrophysik und Kosmologie im 21. Jahrhundert", auf. Der promovierte Astrophysiker Thomas Bührke, der als freier Wissenschaftsjournalist und Buchautor in den Bereichen Astrophysik, Raumfahrt und Physik arbeitet und Redakteur der Zeitschrift "Physik in unserer Zeit" ist sowie der Diplomphysiker und gleichfalls Wissenschaftsjournalist Thomas Wengenmayr haben ein großartiges Werk vorgelegt, das naturwissenschaftlich interessierte und zumindest mit der Materie vertraute Leser ansprechen wird.

Mittlerweile ist die Astronomie als allumfassende Wissenschaft tief verwurzelt im Kulturerbe der Menschheit. Astrophysikalische Erkenntnisse revolutionieren auch heute noch unser Weltbild und Verständnis des Universums. Die mehr als zwanzig Artikel und Aufsätze des vorliegenden Werkes wurden allesamt von renommierten Wissenschaftlern aus dem deutschsprachigen Raum geschrieben (u. a. Thomas Henning, Volker Schönfelder, Gerhard Börner, Claus Kiefer, Matthias Bartelmann, Heinz Oberhummer oder Hans-Thomas Janka) Sie bieten, neben faszinierenden Astrofotos der letzten Jahre, eine Sammlung astronomischer Themen, die auf ansprechendem Niveau durchaus auch Formeln, Daten und Messkurven aufweisen.

In vier große Bereiche haben die Herausgeber ihr Buch gegliedert.
Den Beginn macht die Planetenforschung. Wie entstehen Planeten, gab es einen Klimawandel, und gibt es vielleicht noch Wasser auf dem Mars sowie extrasolare Planeten sind u. a. die Themen der Wissenschaftler.
Die Artikel des zweiten Teils beschäftigen sich mit der Sternentstehung, Supernovae, der Gamma-Astronomie oder aber der Beobachtbarkeit von Schwarzen Löchern.
"Das dritte Standbein der modernen Astrophysik ist die Theorie", so Bührke und Wengenmayr. Im Rahmen der Relativitätstheorie erklären die Forscher die Expansion des Universums und die Krümmung des Raumes in der Umgebung kompakter Himmelkörper, die kosmische Hintergrundstrahlung, Antimaterie, die Rolle der Naturkonstanten, aber auch die zwei großen Unbekannten: Dunkle Materie und Dunkle Energie. Bevor letztendlich der Zirkelschluss gezogen wird und zu dem vor vierhundert Jahren zum ersten Mal eingesetzten Teleskop zurückgekehrt wird. Nur sind die heutigen Geräte für einen Blick in den Kosmos nicht mehr mit Galileis Instrumentarium zu vergleichen.
Mit dem Sterninterferometer in Chile wird das derzeit größte und modernste Teleskop der Welt in seiner Wirkungsweise vorgestellt.

Fazit:
Auf hohem wissenschaftlichem Niveau stellten die Herausgeber Thomas Bührke und Roland Wengenmayr anlässlich des Internationalen Jahres der Astronomie 2009 verschiedene Artikel angesehener Wissenschaftler zusammen, die die Forschung der letzten zehn Jahre in der Astronomie, Astrophysik, Planetenforschung und Kosmologie reflektieren.

(Heike Geilen; 02/2009)


Thomas Bührke, Roland Wengenmayr (Hrsg.): "Geheimnisvoller Kosmos.
Astrophysik und Kosmologie im 21. Jahrhundert"

Wiley-VCH, 2008. 302 Seiten.
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Weitere Buchtipps:

Thomas de Padova: "Das Weltgeheimnis. Kepler, Galilei und die Vermessung des Himmels"
Vor Jahrhunderten durchbrechen zwei grundverschiedene Forscher die Grenzen der damals bekannten Welt. Galileo Galilei blickt durch das Fernrohr zu den Sternen, Johannes Kepler entdeckt die Planetengesetze. Zur neuen Welt gehört ein neuer Himmel. Thomas de Padova erzählt die spannende Expedition menschlichen Denkens an der Schwelle zur Moderne.
Die Vermessung des Himmels: 1609 baut Galileo Galilei in Padua ein Teleskop, er entdeckt neue Gestirne, Gebirge auf dem Mond und dass sich unmöglich alles um die Erde drehen kann. Im selben Sommer veröffentlicht Johannes Kepler seine Planetengesetze und begründet die moderne Himmelsphysik.
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