Marianne Enzweiler Hill: "Erftnebel"
Niederrhein Krimi 16
Die
Krankenschwester Susanne Sommer beobachtet ihre Mitmenschen
überaus genau, wenngleich sie nie Anschluss findet. Oder sie
findet keinen richtigen Anschluss, weil sie ihre Mitmenschen zu genau
beobachtet. Ein sehr genau beobachteter Mitmensch ist die Kollegin
Ruth, die anscheinend mit dem Arzt Bechterew angebändelt hat
und dabei zunehmend unglücklicher wirkt. Genau wie andere
junge Kolleginnen, die einige Zeit ein Verhältnis mit dem eher
unscheinbaren Mediziner hatten. Doch anders als die anderen Kolleginnen
ist Ruth eines Tages einfach verschwunden, was keinem außer
Susanne aufzufallen scheint. Deswegen beginnt Susanne Sommer, die
personellen sowie persönlichen Zusammenhänge im
Krankenhaus näher zu betrachten und speziell Dr. Bechterew und
dessen Leben genauer unter die Lupe zu nehmen.
Die Ergebnisse ihrer Nachforschungen, ihre Überlegungen und
ihre Intuition führen sie schließlich zu einem
Ergebnis, das sie eine Polizeiwache aufsuchen lässt, um dort
Anzeige gegen Dr. Bechterew zu erstatten - wahrscheinlich
wegen Mordes. Zunächst wollen die Beamten die Krankenschwester
nicht weiter ernst nehmen, doch kurz bevor sie vor die Tür
gesetzt wird, nimmt sich ein Kommissar Schneider ihrer an und leiht
Susanne Sommers seltsamen Theorien sein Ohr. Susanne stellt sich
zunehmend die Frage, warum ihr der Kommissar derart aufmerksam lauscht.
Denn je länger sie erzählt, desto unhaltbarer
erscheinen ihrem Verstand die Anschuldigungen gegen den Doktor, wenn
auch ihr Gefühl ihn weiterhin als Mörder sehen
möchte.
Susanne ist eine ziemlich seltsam denkende und handelnde Person und
damit als Ich-Erzählerin dieses Romans
recht anstrengend und
teilweise sogar nervenaufreibend. Ihre Überlegungen und
Befindlichkeiten nehmen wenig Rücksicht auf die Menschen ihrer
Umgebung, und sie setzt sich der Informationsbeschaffung wegen
über alle Grenzen des Anstands oder auch der Freundlichkeit
hinweg. Für sie heiligt der Zweck wirklich die Mittel.
Im Endeffekt spielt die Geschichte größtenteils in
der Polizeiwache, wo Susanne Kommissar Schneider alle ihre Erkenntnisse
darlegt und mit ihrer umständlichen Art sowohl die Geduld der
Polizei als auch die des Lesers auf eine harte Probe stellt.
Gelegentlich ist man sogar geneigt, das Buch einfach zur Seite zu legen
und sich ansprechenderer Lektüre zuzuwenden. Aber wenn man bis
zum Ende durchhält und dann vielleicht noch eine
Nacht
darüber schläft, wird einem bewusst, dass die
Qualität dieses Krimis in seiner Konstruktion und seiner
Darstellung der Handlung liegt, die nicht ganz leicht zu durchschauen
ist.
(K.-G. Beck-Ewerhardy; 12/2006)
Marianne
Enzweiler Hill: "Erftnebel"
Emons Verlag, 200. 191 Seiten.
Buch
bei amazon.de bestellen
Marianne Enzweiler Hill wurde 1955 geboren. Sie studierte Sozialpädagogik, arbeitete als Grafikerin, Dozentin und Lehrerin. "Erftnebel" ist ihr erster Kriminalroman.