Ein Traum von großer
Magie
Viel königlicher als ein Perlenband
Und
kühn wie ein junges Meer im Morgenduft,
So war ein großer Traum - wie ich ihn
fand.
Durch offene Glastüren ging die Luft.
Ich schlief im Pavillon zu
ebner Erde,
Und durch vier offne Türen ging die Luft -
Und früher
liefen schon geschirrte Pferde
Hindurch und Hunde eine ganze Schar
An
meinem Bett vorbei. Doch die Gebärde
Des Magiers - des Ersten, Großen -
war
Auf einmal zwischen mir und einer Wand:
Sein stolzes Nicken,
königliches Haar.
Und hinter ihm nicht Mauer: es entstand
Ein weiter
Prunk von Abgrund, dunklem Meer
Und grünen Matten hinter seiner
Hand.
Er bückte sich und zog das Tiefe her.
Er bückte sich, und seine
Finger gingen
Im Boden so, als ob es Wasser wär.
Vom dünnen
Quellenwasser aber fingen
Sich riesige Opale in den Händen
Und fielen
tönend wieder ab in Ringen.
Dann warf er sich mit leichtem Schwung der
Lenden -
Wie nur aus Stolz - der nächsten Klippe zu;
An ihm sah ich die
Macht der Schwere enden.
In seinen Augen aber war die Ruh
Von
schlafend - doch lebendgen Edelsteinen.
Er setzte sich und sprach ein solches
Du
Zu Tagen, die uns ganz vergangen scheinen,
Daß sie herkamen
trauervoll und groß:
Das freute ihn zu lachen und zu weinen.
Er fühlte
traumhaft aller Menschen Los,
So wie er seine eignen Glieder fühlte.
Ihm
war nichts nah und fern, nichts klein und groß.
Und wie tief unten sich
die Erde kühlte,
Das Dunkel aus den Tiefen aufwärts drang,
Die Nacht das
Laue aus den Wipfeln wühlte,
Genoß er allen Lebens großen Gang
So sehr
- daß er in großer Trunkenheit
So wie ein Löwe über Klippen
sprang.
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Cherub
und hoher Herr ist unser Geist
- Wohnt nicht in uns, und in die obern
Sterne
Setzt er den Stuhl und läßt uns viel verwaist:
Doch Er ist Feuer
uns im tiefsten Kerne
- So ahnte mir, da ich den Traum da fand -
Und redet
mit den Feuern jener Ferne
Und lebt in mir wie ich in meiner Hand.
(von Hugo von Hofmannsthal;
1874-1929)
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