Ralph Giordano: "Der Wombat"
Ralph Giordano ist vor allem als Autor politischer und historischer Bücher bekannt. Im Wombat nun kann man ihn auch von einer anderen, ursprünglicheren Seite erleben. Erzählt werden für alte und junge Tierfreunde wahre und größtenteils selbst erlebte Geschichten mit animalischen Hauptdarstellern. Von der Katz bis zum Krokodil spannt der Autor einen weiten Bogen, mit der Einschränkung allerdings, dass durchwegs von Tieren in Gefangenschaft (Zoo oder Haus) die Rede ist. Diesen dringt Giordano tief in die Seele, beschreibt ihre komischen Seiten, nicht ohne dabei einen Raum für zoologische Rückschlüsse zu schaffen und erzählt mitfühlend ihre bisweilen tragischen Schicksale, Kritik an den Auswüchsen von Tierhaltung klingt immer wieder an.
Was gibt es schließlich faszinierenderes als echte Begegnungen von Mensch und Tier? Beide können miteinander spielen, Zärtlichkeiten miteinander austauschen (was sie in dem Buch auch ausgiebig tun), das Tier kann vom Menschen lernen (so findet zum Beispiel ein dominantes Gorillamännchen in einem Amateurhypnotiseur seinen Meister), und ebenso der Mensch vom Tier. Damit sind auch die teilweise schärferen und andersartigen Sinne gemeint, vor allem aber jenes Ding namens Instinkt, welches beim homo sapiens während dem ganzen Zivilisationsprozess mehr oder weniger zum Teufel gegangen ist.
Ralph Giordano hat sich etwas davon bewahrt, was ihn einerseits bei einem simplen Zoobesuch weit mehr erleben lässt als andere, ihn andrerseits instinktsicher den Wombat als Titel und Wappentier seines Buches wählen ließ. Denn der Wombat ist einer der unterschätztesten Bewohner dieses Planeten, ein Plumpbeutler voll Erdmagie und tiefer innerer Gelassenheit, auf eine Stufe zu stellen mit Allzeitgrößen wie Pandabär und Koala. Ein wahrhaft geniales Tier.
(stro)
Ralph Giordano:
"Der Wombat"
dtv, 2000. 244 Seiten. ca. EUR 9,- Buch bestellen
"Der Wombat. Und andere tierische Geschichten" ist auch
als Hörbuch auf CD erschienen!
Dittrich-Vlg., 2001. ca. EUR 18,-. CD bestellen