Klaus Nitzsche: "Des Königs Alchimist"

Historischer Kriminalroman


Wir schreiben den Beginn des 18. Jahrhunderts. Die Sachsen liegen regelmäßig mit den Schweden im Streit und auch mit vielen anderen deutschen Ländern, so dass Armee und Spionageapparat Unmengen an Geld verschlingen. Und auch die Repräsentationsausgaben sind in einer Zeit, in der die französischen Könige europäische Maßstäbe setzen, exorbitant. Also braucht man Geld, und das Versprechen der Alchimisten, aus unedleren Metallen Gold zu machen, bringt noch einmal alles Schlechte in den Menschen zum Vorschein. So findet sich der Alchimist Böttger nach einem Fluchtversuch wieder in Gewahrsam von August dem Starken, um in dessen unterirdischen Laboratorien weiter nach dem Arkanum - dem Stein der Weisen - zu suchen.

Die Wiederergreifung gelang durch die tätige Mitarbeit eines Benedikt Demuth, eines Waisen, der in kirchlicher Obhut aufgewachsen und nun für "Das Amt" tätig ist. Dieses Amt fungiert als eine Art Zivilpolizei im Machtbereich August des Starken und hält die Bevölkerung in Atem durch plötzliche Verhaftungen und hochnotpeinliche Verhöre. Doch auch intern gibt es viel Misstrauen und Angst - eine Atmosphäre, die stark auf den eher etwas labilen Demuth abfärbt.

Als dieser im Rahmen seiner Arbeit immer mehr in die Untersuchung des Falles Böttger und den Versuch, Gold herzustellen, hinein gezogen wird, zeigt sich relativ schnell, dass er mit alldem überfordert ist, was ihm selbst allerdings nicht so ganz klar wird. Im Gegenteil fühlt er sich seinen Mitarbeitern und Vorgesetzen haushoch überlegen und beginnt für sich selbst zu arbeiten.

Ein Teil dieser Arbeit wird die mittlerweile dreimal verwitwete junge Lisa, die nach der Verhaftung und Hinrichtung ihres letzten Geliebten wieder einmal auf der Suche nach neuem Anschluss ist. Dieser Frau versucht sich Benedikt zu bedienen, von seinem Amt und seiner Erfahrung mit Überlegenheitsgefühlen bewegt. Aber diese sind gerade Lisa, die einen ziemlich guten Blick für Menschen und für ihren eigenen Vorteil hat, gegenüber nicht gerechtfertigt.

Doch beide beginnen wie Satelliten immer engere Kreise um Böttger zu ziehen, dessen Arbeit sich durch bestimmte weitere Einflüsse immer mehr von Arkanum hin zu einem anderen Stoff bewegt, der schließlich die Städte Dresden und Meißen zu Weltruhm führen soll.

Ein gut erzählter und angenehm anschaulich darstellender Roman, der eines der berühmtesten Produkte "Made in Germany" einführt, das auch heute noch vermögende Abnehmer findet.

(K.-G. Beck-Ewerhardy; 09/2005)


Klaus Nitzsche: "Des Königs Alchimist"
Emons, 2005. 240 Seiten.
ISBN 3-89705-393-4.
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Klaus Nitzsche, geboren 1935, Studium der Germanistik und Anglistik, unterrichtet Englisch an der Technischen Universität Dresden. Er lebt als freier Autor in Dresden.