Petra Stuiber & Konrad Kramer: "Habsburgs leere Kassen.
Schulden, Pleiten, Steuertricks einer Dynastie"

Geschichte im Zeichen des Mangels
oder von der Dynastie, die auf den Hund gekommen war


Die Autoren beginnen das Buch mit den letzten beiden Babenbergern, Leopold V. und dessen Sohn Friedrich. Dies nicht nur um aufzuzeigen, dass durch Leopold V. eine der größten Erpressungen des Mittelalters durch die Gefangennahme des englischen Kreuzritters Richard Löwenherz und der folgenden Lösegeldforderung erfolgte, sondern auch, weil sich später die Habsburger als legitime Erben der Babenberger wähnten. Leopold V., der gegenüber dem Engländer auch persönliche Aversionen hatte und so gerne ein Hühnchen mit ihm rupfen wollte, konnte diesen Deal nur im Einverständnis mit dem deutschen Kaiser Heinrich durchführen. So brauchte er den päpstlichen Bannstrahl nicht zu fürchten und konnte geflissentlich darüber hinwegsehen. Trotz dieser Erpressung sah sich Leopold V. als Ehrenmann, wie später sich auch die Habsburger so sahen, was immer auch geschehen sein mag.

Im Laufe der Jahrhunderte gelang es den Habsburgern ihre Ländereien stets zu vermehren, wenngleich dabei nicht immer astreine Wege beschritten wurden. Ärger und Frust saßen des öfteren sehr tief. Neben den stets leeren Kassen, machten ausländische Feinde, untergebene Adelsherren und die Verwandtschaft, selbst wenn dieser ein Kaiser angehörte, der Familie entsprechende Sorgen. Herzog Rudolf der Stifter zeigte seinen Unmut in dem er im großen Ausmaß zu den in dieser Zeit üblichen Urkundenfälschungen griff, um gegenüber seinem Schwiegervater Karl IV. und im Reich besser zu erscheinen. Geistige Unvollkommenheit, Großsuchtgehaben sowie mangelnde finanzielle Mittel verfolgten aber stets im Laufe der Geschichte die Familie Habsburg. Um jeweilige Vorhaben realisieren zu können, mussten sie vorerst an die Adelsherrn entsprechende Privilegien vergeben und später bei großen Handelshäusern oder reichen Einzelpersonen Kredite und Vorschüsse aufnehmen. Soweit diese Schulden später nicht besichert oder belegbar waren, scheute man sich nicht, sie durch unlautere Maßnahmen los zu werden Die Familienvorstände erkannten nicht die vorhandenen Ressourcen und konnten sie daher aus Kurzsichtigkeit auch nicht nutzen, um zu einer Verbesserung beizutragen. Die großen Gewinne schöpften daher die Geldgeber zu Lasten des ohnehin ausgebeuteten und verarmten Volkes ab. Der Herrscher, mit dem Staat gleichgesetzt, lebte von der Hand in den Mund. Die Verschuldung war oft so groß, dass dem Herrscher nichts mehr gehörte, wie es Karl V erging, obwohl in seinem Reich die Sonne nicht unterging. Gab es keine Geldgeber, so musste eine Unternehmung eingestellt oder ein Krieg unterbleiben.

Dass die Familie Habsburg heute dennoch gut dasteht, hat sie einem Mann zu verdanken der zu seiner Zeit ein eher verhasster Ausländer war, nämlich Franz Stephan von Lothringen, dem Gatten von Maria Theresia. Obwohl er Kaiser war, hatte er sowohl im Reich als auch in den österreichischen Landen weder Macht noch war er an der Regierungstätigkeit beteiligt. Aus Langeweile verlegte er sich auf wirtschaftliche Angelegenheiten. Als er letztlich 56-jährig starb, hatte er ein beträchtliches Vermögen zusammengetragen. Im Testament, welches man verzweifelt suchen musste, bestimmte er unter anderem eine Trennung des Privatvermögens von jenem des Staatsvermögens, was bis zu diesem Zeitpunkt nicht der Fall war. Diese Trennung überlebte den Untergang der Donaumonarchie und rettete so das Familienvermögen.

Die staatliche finanzielle Lage blieb jedoch weiter so wie bisher brisant und trug zu Entscheidungen bei, welche sich letztlich im 19. Jahrhundert in verlorenen Kriegen und dem großen Börsenkrach von 1873 manifestierten. Die Monarchie wäre deswegen aber dennoch nicht untergegangen. Sie scheiterte letztlich nicht an unbewältigten Finanzproblemen, sondern an den Nationalitäten-Konflikten, welche man offensichtlich nicht oder zu spät erkannte.

Das mit Legenden geschmückte und mit viel Emotion geschriebene Buch ist jedem geschichtsinteressierten Leser zu empfehlen. Es vermittelt ihm neue Gesichtspunkte und Einsichten über die beschriebenen Herrscher aus dem Hause Habsburg.

(Hans Schulz; 11/2001)


Petra Stuiber & Konrad Kramer: "Habsburgs leere Kassen.
Schulden, Pleiten, Steuertricks einer Dynastie"
Carl Überreuter Verlag, 2001. 207 Seiten.
ISBN 3-8000-3825-0. ca. EUR 19,90.
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