Jeannette Gräfin Beissel von Gymnich: "Und flog in anderes Land"

Die dramatische Geschichte der jungen Hedewich in einer Welt der Minne und Mystik, der Ritter und Raubritter, der politischen Wirren und kirchlichen Machtkämpfe.


Ritterfeste, Turniere, Konzerte, mittelalterliche Märkte und Hochzeiten - seit der Aufnahme des Veranstaltungsbetriebs in der Burg Satzvey im Jahr 1984 hat Jeannette Gräfin Beissel von Gymnich die alte Burg zu einem der bekanntesten und beliebtesten Veranstaltungsorte des Voreifelkreises gemacht. Nun hat sie eine der bewegendsten und romantischsten Geschichten um diese Burg in einem historischen Roman niedergelegt.

Man schreibt das Jahr 1226. Aus Nürburg wird die junge Hedewich von Vey nach einer strengen klösterlichen Erziehung in Maria im Tale im Alter von 14 Jahren die Burgherrin von Satzvey. Diese Heirat mit Phylipp von Vey wurde durch ihren Vater Gerhard von Are arrangiert, wie so viele Ehen in adeligen Kreisen zu dieser Zeit. Für Gerhard ist dies nach dem Tod seiner Frau auch eine Entlastung, denn er weiß einfach nicht, wie er eine junge Dame erziehen soll. Begleitet wird sie von der fremdländischen Nonne Benigna, die ihr eine enge Vertraute ist und ihr das Näh- und Stickhandwerk nähergebracht hat, sowie geheimnisvolle Geschichten aus ihrer eigenen Heimat.

Auf der Burg angekommen wartet die junge Herrin nicht nur etwa eine Woche in Gesellschaft ihrer Freundin, ihres Vaters und ihres Bruders auf die Feierlichkeiten, sondern auch darauf, ihren zukünftigen Gemahl überhaupt zu Gesicht zu bekommen. Ein kurz zuvor verschwundenes Schmuckstück, das ihr der noch unbekannte Verlobte geschenkt hatte, läutet eine typische hochmittelalterliche Minnegeschichte ein, so wie auch dieses Buch insgesamt auf das "Falkenlied" zurückgeht, das der Minnesänger von Kürenberg verfasst hat, der als der älteste namentlich bekannte Dichter deutscher Sprache gilt.

Doch zunächst beginnt für Hedewich eine glückliche, wenn auch beschauliche Zeit mit ihrem Ehemann, der klug, gütig und aufmerksam ist und selbst nicht glauben kann, dass ein Geschöpf wie Hedewich wirklich seine Frau ist. Schnell macht er seine Gemahlin mit seinen Ländereien und den Menschen, die darauf leben, vertraut. Bald sind die neue Herrin und ihre fremdländische Begleiterin in jedem Ort der Grafschaft gern gesehene Besucher. Alles ist gut, bis eines Tages ein Gesandter des Kaisers eintrifft. Dieser ist nicht nur ein unfreundlicher Patron, sondern er ordert auf Geheiß des Kaisers auch alle Männer zum neuen Kreuzzug - der später wegen Unwohlseins des Kaisers abgebrochen werden soll. Und so ist Hedewich bereits drei Jahre nach ihrer Hochzeit im zarten Alter von 17 Jahren allein verantwortlich für die Satzveyer Besitztümer.

Von nun an liegt der Schwerpunkt der Geschichte bei den Kreuzfahrern und ihren Erlebnissen auf dem Weg, der sie allerdings nicht viel weiter als bis nach Sinzig bringt, wo sie neue wichtige Informationen über die Hintergründe des Kreuzzuges und des Botschafters des Kaisers bekommen. Auch lernen sie andere Ritter kennen, die wieder neue Geschichten mit in die Hauptgeschichte einbringen.

Diese Form des Einbringens anderer Geschichten in die laufende Handlung zeichnet gegenständlichen Roman besonders aus und macht ihn insofern durchaus vergleichbar mit der erzählenden Literatur des Hochmittelalters und solcher Autoren wie Wolfram von Eschenbach oder Hartman von Aue. Gleiches gilt auch für die reichhaltige Bildersymbolik, die in diesem Roman eine große Rolle spielt, die ständigen Vorahnungen, die magischen Anspielungen und Träume und auch die positive Verknüpfung der muslimischen und der christlichen Kultur in der Nonne Benigna. 
Jenen Lesern, die sich für herkömmliche historische Romane begeistern, könnte es unter Umständen ein wenig schwer fallen, sich in den Stil einzulesen, weil dieser womöglich ungewohnt ist, aber er passt - mit einer gewissen stilistischen Modernisierung der Sprache - sehr gut in die Literatur jener Zeit, von der er erzählt
Deswegen stellt "Und flog in anderes Land" meines Erachtens  eine lohnende Leseerfahrung dar.

(K.-G. Beck-Ewerhardy; 09/2004)


Jeannette Gräfin Beissel von Gymnich: "Und flog in anderes Land"
Emons, 2004. 304 Seiten.
ISBN 3-89705-339-X.
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Jeannette Gräfin Beissel von Gymnich, geboren 1953 in Bonn, wuchs auf in den USA, Argentinien, Deutschland und Frankreich. Seit 1984 organisiert sie historische Veranstaltungen und Incentives auf Burg Satzvey und ist seit 2000 Vorstandsvorsitzende der Touristik Agentur Mechernich. Sie lebt auf Burg Satzvey in Mechernich. (Lien: https://www.burgsatzvey.de/)