Jean-Jacques Sempé: "Schöne Aussichten"

Illustrationen eines Zeichners im Kampf gegen die Schwere der Welt


Der im Diogenes Verlag erschienene Bildband des Zeichners und Schriftstellers Jean-Jacques Sempé verspricht "Schöne Aussichten". Seite für Seite tun sich neue Welten großer und kleiner Leute auf, die sich entweder im Dschungel der Pariser Großstadt tummeln oder angesichts der großen Welt, mitten in der Natur, ganz klein erscheinen.

Eine Fülle von Schwarz-Weiß Bildern - in flüchtigen Strichen gezeichnet und meist mit pointierten Texten kommentiert - zeigen die Figuren Sempés im steten Kampf gegen Übermächte: Der Maler vor dem Meer, der Wanderer verlassen zwischen Hügeln und Bäumen, der Gläubige alleine in der Kirche...

In seinen Zeichnungen skizziert er die Menschen als Teilchen eines Systems, die klein und unbedeutend erscheinen in ihrer Ohnmacht gegen die Schwere der Welt, sich jedoch stets gegen die Vergänglichkeit auflehnen. Dabei wirken sie sehr oft komisch, wie Figuren eines Zeichentrickfilms.

Sempés Anliegen ist, wie er selbst sagt (Die Zeit, Feuilleton, 28. Juni 2001), Überblick zu gewinnen, ein wenig Ordnung in ein Chaos zu bringen und nicht, sich über Menschen lustig zu machen.
Er versteht sich als Handwerker, der zeichnet. Jedes Jahr schafft er einen Bildband mit Zeichnungen, aus denen Menschenkenntnis und Lebenserfahrung, gepaart mit großer Beobachtungsgabe, sprechen.
Letztlich ist es immer ein Spiegel, den er uns vorhält und in dem wir uns des öfteren selber wiedererkennen.

(dw)


Jean-Jacques Sempé: "Schöne Aussichten"
Diogenes, 2001. 102 Seiten. ISBN 3-257-02072-4.
ca. EUR 25,90.
Buch bestellen