Klaus Vater: "Es geschah in Berlin 1934: Am Abgrund"

Kappes 13. Fall


Im Jahr 1934 hat die Berliner Kripo allerlei Konkurrenz in ihrer Arbeit bekommen: Die SA, die SS und der Sicherheitsdienst machen ihr genauso ihre Ermittlungen streitig wie auch die im Moment noch sehr im Untergrund arbeitende GESTAPO. Und immer wieder betreffen Ermittlungen wegen Gewaltverbrechen auch Angehörige der SA, wodurch diese zu politischem Treibsand werden, in dem ein ernsthafter Ermittler schnell versinken kann. Dies erfährt Hermann Kappe zu seinem Leidwesen sehr schnell am eigenen Leib, als er in einer laufenden Ermittlung einen angeblichen Kommunisten zu sehr zu schützen scheint und gleichzeitig bei einem Kollegenumtrunk einer politisch nicht opportunen Meinung zu vehement zustimmt.
Bereits am nächsten Tag wird er degradiert und bekommt den Kollegen Gennat als "Anstandswauwau" beigefügt, der sich nun ebenfalls in seinen Äußerungen und Handlungen vorsehen muss.

Als es bei der Arbeit an der neuen Berliner S-Bahn auf der Höhe des Stettiner Bahnhofs zu einem Unglück kommt, wird ein angeblicher Zigeuner vom Polier der Baustelle als Täter identifiziert und unverzüglich in Sonderschutzhaft genommen. Der Fall landet auf Kommissar Kappes Schreibtisch, der aufgrund der Vernehmungsprotokolle, der Sonderschutzhaft und der Einmischung eines SA-Offiziers in die Eingangsermittlungen überaus misstrauisch wird. Auch die Einordnung des dringend Tatverdächtigen als Zigeuner erscheint ihm weder relevant noch besonders schlüssig. Dass es keine Nachfolgevernehmungen gibt, die Unfallstelle trotz gegenteiliger Anweisungen schleunigst zubetoniert wurde und der Verdächtige bei seiner Vorführung vor Kappe schwere Verletzungen aus der Haft vorweist, während er auch nach einigen Tagen noch keinem Untersuchungsrichter vorgeführt wurde, macht den guten Kommissar erst recht stutzig.

Immer tiefer wird Kappe im Vorfeld des sogenannten Röhm-Putsches in die Verflechtungen der verschiedenen NS-Kampfgruppen hineingezogen, und nicht nur er, sondern auch seine Familie wird dabei immer stärker und deutlicher bedroht. So wird die damalige Situation im Verlauf der Krimihandlung veranschaulicht und nachvollziehbar und das ohne den etablierten Charakteren oder der Krimihandlung irgendeine Gewalt anzutun. Sehr zu empfehlen.

(K.-G. Beck-Ewerhardy; 03/2011)


Klaus Vater: "Es geschah in Berlin 1934: Am Abgrund. Kappes 13. Fall"
Jaron, 2011. 189 Seiten.
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