Jobst Schlennstedt: "Möwenjagd"
Küstenkrimi
In
einem Nobelrestaurant in Lübeck
wird ein Immobilienhandel mit einer schwedischen Firma abgeschlossen,
die eines
der "Filetstücke" des im Moment unbebauten oder
ruinösen Bereichs
der Wallhalbinsel entwickeln soll, um es der Stadt hinterher, sollte
sie keine
anderen Abnehmer finden, mit Gewinn zurück zu verkaufen. Die
Firma aus Schweden
ist wegen ihrer Geschäftspraktiken eigentlich im eigenen Land
sehr verrufen,
und dieser Ruf hat Lübeck bereits erreicht, weswegen man sie
auch als "Möwe"“
bezeichnet, die ja bekanntlich sehr frech und
gefräßig sind und alles mit
ihrem Kot überziehen.
Dementsprechend ist die Stimmung trotz erfolgreicher
Vertragsunterzeichnung
nicht unbedingt die beste, und der Firmenchef scheint auch nicht allen
seinen
Mitarbeitern zu vertrauen, so dass er sie sogar bis auf die Toilette
des
Restaurants verfolgt, von wo einer von ihnen nach einem
Gespräch mit dem
Bausenator der Stadt durch das Fenster flüchtet. Wie auch der
Bausenator selbst.
Am nächsten Tag ist der Bausenator spurlos verschwunden, was
Kommissar Birger
Andresen im häuslichen Umfeld unter den
eifersüchtigen Augen seiner Freundin
Wiebke von dessen Frau Nicola erfährt. Kurz darauf wird er
auch noch zu einem
seltsamen Mord an einem Fischer im Hafen gerufen, der auf seinem Kutter
mit
einer Angelleine erwürgt worden ist. Dort sieht er auch eine
andere alte
Bekannte, die sich bei seinem Anblick plötzlich panisch aus
dem Staub macht.
Alles in allem scheinen Frauen Kommissar Andresen in diesem Fall
allerlei
Schwierigkeiten zu bereiten, nicht zuletzt seine neue Vorgesetzte,
Hauptkommissarin Ida-Marie Berg, die selbst in einer ziemlich offenen
Beziehung
zu leben scheint und sich heftig an ihn heranwirft. Eine Tatsache, die
Wiebke
durchaus schnell bewusst wird.
Während all dieser Frauenprobleme muss sich Andresen aber eben
auch um den
Immobilienfall und den Mord kümmern, bei dem es alle
möglichen Verdächtigen
zu geben scheint, deren Kontakte bis ins Bürgermeisteramt und
in die Polizeiführung
zu reichen scheinen.
Die Ermittlungen bedingen auch eine Reise nach Schweden,
in deren Verlauf
Andresen hört, dass noch ein Verhandlungspartner der
schwedischen Seite zu Tode
gekommen ist, und auf der Rückfahrt wird er selbst beinahe von
Bord der Fähre
gestoßen. Anscheinend haben die Verantwortlichen keinerlei
Skrupel, wenn es
darum geht, ihre Interessen durchzusetzen.
Fazit:
Der 1976 in Herford, Ostwestfalen, geborene Autor Jobst Schlennstedt
hat einen
komplexen und sehr dicht geschriebenen Kriminalroman verfasst, bei dem
die Zeichnung
der "Bösen" ein wenig ausführlicher hätte
sein dürfen, der aber
davon abgesehen sehr unterhaltsam ist und auch zum Nachdenken
über einige
Immobiliengeschäfte der öffentlichen Hand im eigenen
Umfeld anregt.
(K.-G. Beck-Ewerhardy; 06/2011)
Jobst
Schlennstedt: "Möwenjagd.
Küstenkrimi"
Emons, 2011. 221 Seiten.
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