Der Apfel (Sib)

R: Samira Makhmalbaf
D: Massoumeh Naderi, Zahra Naderi, Ghorban Ali-Naderi, Azizeh Mohamadi u. a.
Iran/Frankreich 1997


Als beeindruckendes Filmdebüt der jungen iranischen Regisseurin Samira Makhmalbaf präsentiert sich die Reportage über zwei zwölfjährige Zwillingsschwestern. Es ist eine wahre Geschichte, die Makhmalbaf von den beteiligten Personen nachstellen ließ. In wenigen Tagen entstand eine Geschichte über Freiheit und Gefängnis, Liebe und Abhängigkeit und über viel Solidarität und sozialen Zusammenhalt. Die Schwestern Massoumeh und Zahra leben in einem Armenviertel Teherans. Ihre Mutter ist blind, der streng religiöse Vater kann nur schwerlich seine Familie erhalten. Während er unterwegs ist, um Geld und Nahrung aufzutreiben, sperrt er Töchter und Frau im Haus ein. Er tut dies, um sie zu schützen. Die Zwillinge haben bis zu diesem Zeitpunkt Haus und Hof noch kein einziges Mal verlassen dürfen.

Durch eine Nachbarin wird das Sozialamt auf diese Situation aufmerksam. Eine Sozialarbeiterin versucht den wenig gebildeten Vater zu überzeugen, seine Kinder aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Da er sich nicht imstande sieht, loszulassen, schenkt sie den Mädchen auf eigene Faust die Freiheit. Massoumeh und Zahra erkunden erstmals die Gassen ihrer Gegend und versuchen, soziale Kontakte zu knüpfen. Ein Apfel wird dabei zur Metapher für den Schritt in eine unbekannte, freie Zukunft. Der Vater wird unterdessen selbst von der engagierten Sozialarbeiterin im Haus eingeschlossen. Er beginnt zu verstehen, wie sich ein permanentes Kerkerdasein anfühlt. Letztlich gewinnt er Vertrauen in seine Kinder und lässt sich mit ihnen in ein neues Leben ein.

Die Regisseurin begleitet die AkteurInnen subtil durch diese für sie ein zweites Mal erlebte Geschichte. Das Verlassen der selbst gesetzten Absperrung gegen Offenheit und Bewegung wird zum Sinnbild für die sich verändernde Gesellschaft des Irans. Ein schöner, positiv stimmender Film.

(ama;05/02)