Weltgeworfenheit

Die Zeit verkommt, der Raum verfällt.
Was Tag und Nacht zusammenhält?
Die Anderswelt, sie stockt im Traum -
Man ist allein und merkt es kaum.

Die Zeit durchstobt in losen Flocken
ein Freudenklang von Todesglocken.
Je noch das Fleisch die Erde labt,
entrinnt es schon mit Welk begabt.

Ist aus dem Nichts ins Hier gesprungen.
Geworfenheit! zum Sein gezwungen.
In Raum und Zeit als Leib gefangen -
zur Erde fallen, zu Gott gelangen?

Novize auf dem Opferstein -
selbstverloren, nichtig, klein -
bist du es, der die Welt verletzt
sie in den Unzustand versetzt?

Bevor die Nacht dein Blut vereist
vergeht die Jugend; halbverwaist
bleibst du auf blankem Stein gestreckt.
Mit Schande hast du dich befleckt.

 

(Doris Krestan, Harald Schulz. 2002)