Alyssa Brugmann: "Einfach Bindy"
Bindy
und Janey sind Freundinnen seit sie zurückdenken
können. Sie fühlen sich wie Zwillingsschwestern und
machen seit ihren Kindertagen alles zusammen. Nie hätten sie
sich vorstellen können, dass dies irgendwann einmal anders
werden würde. Doch beide haben sie nicht mit dem
Tücken der Hormone gerechnet, die Janey viel früher
als die eher etwas brave Bindy in die Pubertät und in die
Nähe von Jungs katapultieren.
Bindy lebt mit ihrem Vater und ihrem älteren Bruder Kyle
zusammen und versteht sich mit beiden prächtig. Der Vater
betreibt eine Autowerkstatt, die mehr schlecht als recht geht, ihm aber
große Freude macht. Das merkt man diesem Mann auch an; er ist
mit sich zufrieden, sehr ausgeglichen und beiden Kindern ein guter
Vater. Seine Frau hat ihn schon vor vielen Jahren verlassen. Er war
ihr, die beruflich sehr erfolgreich und sehr karriereorientiert ist,
wahrscheinlich zu langweilig und bieder. Während Kyle gar
nichts mehr mit der Mutter zu tun haben will und ihre permanenten
T-Shirt-Geschenke in die Altkleidersammlung wirft, lässt sich
Bindy seit vielen Jahren alle 14 Tage von ihr zu einem Wochenende
abholen, die ihre Mutter zwar jedes Mal perfekt organisiert hat, von
denen sie aber seltsam traurig und unzufrieden zurückkommt.
Eines Tages ändert sich Bindys Leben sozusagen über
Nacht. Hannah ist neu in die Klasse gekommen, eine weitgereiste und
darauf sehr eingebildete Diplomatentochter, auf die Janey sofort
abfährt. "Wir sitzen ab jetzt mit Hannah", gibt sie der
verstörten Bindy zu verstehen, und als diese sich von einer
Party, anlässlich derer die beiden anderen Mädchen
sie gegen ihren Willen aufgemotzt haben, sich von ihrem Vater
frühzeitig abholen lässt, weil sie das nuttenhafte
Verhalten der beiden anderen Mädchen ekelhaft findet und sich
nicht einfach vom erst besten Jungen abknutschen lassen will, ist sie
bei Janey unten durch.
Sie wird in der Schule gemieden; als ihr während des
Yoga-Kurses ein lauter Furz
entfährt, ist alles vorbei. Alle lachen über sie, und
niemand will mehr irgendetwas mit ihr zu tun haben.
Bindy kann mit ihrem Bruder Kyle darüber sprechen, der ihr Mut
macht, aber er kann ihr nicht die Freundin ersetzen.
Und als sich dann noch herausstellt, dass Bindys Vater mit Janeys
Mutter eine Beziehung anfängt, bricht ihre Welt zusammen. Sie
geht nur halbherzig auf die Versuche Janeys ein, die mit allerlei
Tricks die beiden Erwachsenen auseinanderbringen will. Und sie
kämpft mit sich, hin- und hergerissen zwischen der
Loyalität zu ihrem Vater, aber auch zu ihrer Mutter, die sie
einlädt, bei sich zu wohnen und ihr schon ein perfektes Zimmer
eingerichtet hat, und dem Versprechen, das sie Janey gegeben hat,
nichts über ihre Pläne zu verraten.
"Einfach Bindy" ist ein Buch über den Traum von der
lebenslangen Freundschaft und vom Loslassen der Träume. Es ist
ein seitenweise sehr lustiges, aber auch nachdenkliches Buch
über die Pubertät und Gruppenzwänge sowie
über den langsamen und schmerzhaften Weg zum
Selbstständig- und Erwachsenwerden. Ein Buch, das Erwachsene
schildert, die trotz aller Schwächen und Egoismen doch ihre
Kinder lieben und versuchen, ihnen gerecht zu werden. Und ein Buch
über kluge Kinder, die das durchschauen, aber ihre Eltern
deswegen nicht weniger lieb haben und achten.
Ein empfehlenswerter Jugendroman einer Autorin, der es auf
hervorragende Weise gelingt, mit ihrer Sprache die Lebenswelt und die
Sprachkultur von Pubertierenden abzubilden. Vor allem Mädchen
zwischen dem 7. und dem 9. Schuljahr werden dieses Buch lieben.
(Winfried Stanzick; 08/2006)
Alyssa
Brugman: "Einfach Bindy"
Aus dem australischen Englisch von Ulli und Herbert Günther.
Hanser, 2006. 202 Seiten. (Ab 12 J.)
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Alyssa
Brugman, 1974 geboren, lebt als freie Schriftstellerin in Sydney.
Weitere Bücher der Autorin:
"Zeig dein Gesicht"
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über In-Sein, Dazugehören und Gruppenzwang unter
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(dtv)
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