Sabine Friedrich: "Epilog mit Enten"

Buchvorstellung


Die Geschichte einer großen, unmöglichen Liebe

"Berlin, 1976: ein Jahrhundertsommer. Ich war achtzehn, eine Schülerin aus dem Westen, du fünfundzwanzig, ein kleiner Dealer. Es begann, wie solche Lieben eben beginnen, besessen, verrückt, als ein großer Rausch."

Fast vierzig Jahre später blickt sie zurück: auf die Reisen auf dem "Hippie Trail" durch Indien und Afghanistan, auf Versöhnungen, Trennungen, die Ehe in Norwegen, die Geburt der Tochter. Sie verlieren einander aus den Augen, doch dann erkrankt er an Krebs. Und sie versuchen ein letztes Mal, ihre gemeinsame Geschichte zu einem guten Ende zu führen.

Sabine Friedrich, 1958 in Coburg geboren, studierte Germanistik und Anglistik und promovierte 1989 in München. Seit 1996 lebt sie mit ihrer Familie wieder in Coburg. Ihr erster Roman "Das Puppenhaus" wurde 1997 veröffentlicht.

Leseprobe:
(...) Ich stehe am Teich. Der Teich ist winzig, eigentlich nur ein Tümpel, ein mit Folie ausgekleidetes Loch an der Stelle, wo vor ein paar Jahren der Wurzelstock des maroden Pflaumenbaums entfernt worden ist. Wahrscheinlich ist es der Teich, der die Ente angezogen hat. Der Hund sah sie zuerst. Er stand an der Glastür, hochbeinig, mit gesträubtem Widerrist, den Kopf schief gelegt, leise winselnd vor ungläubiger Begeisterung. In seiner Herkunftsregion, einer rauen Weltgegend, wo es selbst im Sommer nicht selten graupelt, gehört es zu seinen rassetypischen Aufgaben, nach geglücktem Schuss zügig das eisige Wasser anzunehmen, ohne sich jedoch unkontrolliert hineinzustürzen, und sodann ruhig, konzentriert und ohne unnötige Umwege das erlegte Tier seinem Herrn zu apportieren. Die Ente, die uns noch nicht gesehen hatte, watschelte zum Ufer und lies sich auf der Oberflache des Teichs nieder, vorsichtig, als wollte sie ihr Kleid nicht nass machen. Dann schwamm sie auf den Teich hinaus, der dadurch plötzlich bedeutend wirkte, geradezu wie ein See, mindestens wie ein Weiher, bewohnt von allerlei Getier, eine stille Welt, vieler Wesen und Pflanzen Heimstatt. Dann bellte der Hund.
Die ersten Flügelschläge, mit denen sich die Ente aus dem Wasser erhob, sahen mühsam aus, wie von Wasser schwer. Aber einmal in der Luft, einmal dem Zugriff entzogen, flog sie mit Leichtigkeit, und immer schneller und eleganter, je weiter sie sich von dem Teich und von uns entfernte.
Es kann unmöglich alles bleiben, wie es ist! (...)


Sabine Friedrich: "Epilog mit Enten"
dtv, 09.12.2016. 592 Seiten.
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(Quelle: Information des Verlags.
Sämtliche Angaben ohne Gewähr.)