Katrin Einhorn: "Sand in Sicht"

Buchvorstellung


Eine Formel für die Liebe

Lenny liebt Ordnung, Mathematik - und seine Freundin Zoe, der er nach exakt 661 Beziehungstagen einen Ring schenken will. Da kommt der Urlaub in Südfrankreich gerade recht. Statt emotionaler Höhenflüge erwartet ihn allerdings die Erkenntnis, dass sich Liebe nicht berechnen lässt: Das teure Schmuckstück landet im Schwimmbecken, und Zoe ist auch nach der Ring-Rettungsaktion von dem Geschenk komischerweise gar nicht begeistert.
Und wer ist eigentlich dieser Dominik, der plötzlich unangemeldet in ihrem Zimmer auftaucht? Die Antwort auf diese Frage zwingt Lenny zu folgenschweren Entscheidungen ...

Katrin Einhorn 1979 geboren, studierte Germanistik und Französisch und arbeitete als Lehrerin. Sie lebt mit ihrer Familie in Trier. Die Erfahrungen mit ihrer Hündin Maggie und ihrem alten blauen Mofa, das es bei Rückenwind auf satte 32 km/h brachte, inspirierten sie zum Schreiben ihres ersten Romans. "Sand in Sicht" ist ihr dritter Roman.

Leseprobe:

(...) "Wir suchen auch nicht ewig", versprach sie. "Wir kaufen einfach irgendwas Kleines, gehen essen und sehen uns die Stadt an."
"Ein guter Plan." Lenny hatte zwar mehr Lust auf Strand, würde sich Zoes Unternehmungslust jedoch nie in den Weg stellen. Seine Freundin saugte neue Eindrücke auf wie ein Schwamm, und er liebte ihre Begeisterung, wenn sie ein neues Buch, ein neues Hobby oder eine neue Lebensphilosophie für sich entdeckte. Außerdem tat es ihm immer noch leid, dass er sie wegen seiner Höhenangst nicht in das Drehrestaurant auf dem Leuchtturm von Palavas-les-Flots einladen konnte, da musste er ihr in Sachen Freizeitgestaltung schon entgegenkommen.
Während Zoe im Bad beschäftigt war, blieb er auf dem Bett liegen und ließ die beruhigende Leere des Hotelzimmers auf sich wirken. Lenny gehörte nicht zu den Menschen, die ihr Hab und Gut überall verstreuten, ganz im Gegenteil. Er liebte Ordnung und Struktur. Seine Kleidung, die hauptsächlich aus schwarzen und weißen T-Shirts bestand, hing nach Farben sortiert im Schrank, das Ladekabel seines Handys war sorgsam aufgewickelt, und die Ohrstöpsel auf der Nachttischschublade bewachten sein Portemonnaie wie zwei Zinnsoldaten. Lediglich Zoes zerknittertes Handtuch auf dem Boden beschädigte die Harmonie etwa - aber Lenny war kein Pedant und konnte mit so was inzwischen gut umgehen.
Nein, nichts und niemand würde ihm den Tag verderben: weder das plärrende Baby im Nebenzimmer noch der Staubsauger auf dem Flur. Schläfrig nahm er Zoes Handy zur Hand, startete die Musik-App und stutzte. "Baby, mach dir nie mehr Sorgen um Geld, gib mir nur deine Hand, ich kauf dir morgen die Welt." Was war denn das? Er wusste ja, wie wandelbar Zoes Interessen waren, aber das hatte er nun wirklich nicht erwartet.
"Du hörst Cro?", fragte er.
"Klar, warum nicht?"
"Das ist doch dieser Typ mit der Panda-Maske."
"Die Texte haben Tiefgang."
"Nicht dein Ernst." Lenny wollte sich gerade kopfschüttelnd einen weiteren Song des Pandas zu Gemüte führen, als ihn ein Klopfen an der Tür ablenkte.
"Ja bitte?"
Die Tür ging auf und ein unbekannter Besucher, der sich nicht direkt in eine Kategorie einordnen ließ, blickte ihm entgegen. Mit seiner langen weißen Hose und dem hellblauen Hemd wirkte er nicht wie ein Urlauber, sondern eher wie ein Angestellter. Seine Oberarme waren kräftig wie die eines Möbelpackers, die Hände dagegen zart, als würde er in seiner Freizeit Blumenkränze flechten. Er lächelte unsicher, doch in seinem Blick lag ein forscher Zug, der Lenny irritierte. Hinter ihm schlingerten gerade zwei sonnenverkohlte Typen vorbei und grölten lauthals ein Lied, in dem "Schatzi" um ein Foto gebeten wurde.
"Kann ich Ihnen helfen?", fragte Lenny, nachdem die beiden im Nachbarzimmer verschwunden waren. Der unbekannte Besucher räusperte sich, schien nach Worten zu suchen, wurde jedoch nicht fündig. Komischer Vogel. Ob er sich im Zimmer geirrt hatte?
"Wir haben nichts bestellt. Und wir brauchen auch nichts."
Lenny wollte gerade aufstehen und die Tür zuschieben, als sich der Besucher dann doch zu einem Redebeitrag entschloss.
"Entschuldigung", begann er. "Ich wollte fragen, ob ..."
"Wer ist denn da?", rief Zoe in dem Moment, und plötzlich zuckte der unbekannte Besucher zusammen.
"Zoe, hier ist Dominik!", rief er, und seine Stimme hallte unerwartet kräftig durch den Raum. "Brauchst du zufällig einen Arzt?" (...)


Katrin Einhorn: "Sand in Sicht"
dtv, 05/2017. 304 Seiten.
Buch bei amazon.de bestellen

Digitalbuch bei amazon.de bestellen

(Quelle: Information des Verlags.
Sämtliche Angaben ohne Gewähr.)